ISG-Syndrom behandeln – Infiltration und Radiofrequenzablation in Zürich

Schmerzen tief im Kreuz, die ins Gesäss und manchmal in die Leiste oder den Oberschenkel ausstrahlen. Schmerzen beim Aufstehen vom Sitzen, beim Treppensteigen, beim Einbeinstand. Und oft jahrelange Suche nach der Ursache – denn das Iliosakralgelenk (ISG) wird im klinischen Alltag noch immer häufig übersehen.

Dabei ist es für bis zu 25 % aller chronischen Kreuzschmerzen verantwortlich.

Was ist das ISG-Syndrom?

Das Iliosakralgelenk (ISG) verbindet das Kreuzbein (Sakrum) mit dem Beckenknochen (Ilium) auf beiden Seiten. Es ist ein stark belastetes, wenig bewegliches Gelenk, das durch Bänder und Muskeln stabilisiert wird. Degenerative Veränderungen, Entzündungen, Fehlbelastungen (z.B. nach Schwangerschaften, nach Stürzen) oder eine Beinlängendifferenz können zu chronischen Schmerzen führen.

Das ISG-Syndrom ist klinisch schwierig zu diagnostizieren, weil die Beschwerden denen anderer Rückenerkrankungen ähneln. Der Goldstandard der Diagnose ist deshalb die diagnostische Blockade des ISG oder seiner versorgenden Nerven unter Bildkontrolle.

Behandlungskonzept: Infiltration, dann Ablation

Schritt 1: Diagnostische ISG-Infiltration

Unter CT- oder Fluoroskopie-Kontrolle wird Kortison und Lokalanästhetikum gezielt in das ISG oder an die versorgenden Nervenäste (posteriore sakrale Rami) injiziert. Wenn Ihre Schmerzen daraufhin deutlich nachlassen, ist die Diagnose «ISG-Syndrom» damit bestätigt.

Schritt 2: Radiofrequenzablation (RFA) der ISG-Nerven

Wenn die Infiltration gut wirkt, aber der Effekt nachlässt, schalten die Radiofrequenzablation der posterioren sakralen Nervenäste die Schmerzleitung aus dem ISG langfristig aus. Die Wirkung hält 12–24 Monate oder länger.

Ablauf beider Verfahren

Vor dem Eingriff

MRI des Beckens/LWS. Blutverdünner in Absprache. Begleitperson empfohlen.

Der Eingriff

Örtliche Betäubung und Dämmerschlaf (Analgosedation), CT- oder Fluoroskopie-Kontrolle. Infiltration: 20–30 Minuten. RFA: 30–45 Minuten.

Nachsorge

24–48 Stunden leichte Schonung. Wirkung nach 3–7 Tagen.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Kreuzschmerzen mit ISG als Verdachtsdiagnose (klinische Tests positiv)
  • Bestätigung durch positive diagnostische Blockade als Voraussetzung für RFA
NICHT ODER EINGESCHRÄNKT GEEIGNET
  • Entzündliche Sakroiliitis (z.B. bei Morbus Bechterew – medikamentöse Therapie bevorzugt)
  • Radikulopathie als Hauptsymptom

FAQ – ISG-Syndrom

Die ISG-Infiltration (diagnostisch und therapeutisch) ist der erste Schritt. Bringt sie Linderung, bestätigt dies die Diagnose. Bei kurzfristiger Wirkung folgt die Radiofrequenzablation der ISG-versorgenden Nerven – mit längerfristigem Effekt (6–12 Monate). Eine ISG-Fusion (operative Versteifung) kommt erst bei therapieresistenten Fällen nach Ausschöpfung aller minimal-invasiven Optionen in Betracht.

Bei korrekter Diagnose (positiver diagnostischer Block) und sorgfältiger Selektion zeigen 60–80 % der Patienten eine deutliche Verbesserung durch die RFA. Entscheidend ist, dass die diagnostische Blockade vorangeht – sie bestätigt, ob das ISG tatsächlich die Schmerzquelle ist.

Wenn ISG-Infiltration und RFA keine ausreichende Wirkung zeigen, gibt es zwei mögliche Erklärungen: Entweder ist eine andere Struktur die eigentliche Schmerzquelle (z.B. Facettengelenke, Bandscheibe, Piriformis-Syndrom) – diese können wir dann gezielt abklären und behandeln. Oder die Schmerzen sind bereits so weit chronifiziert, dass eine Schmerzspezialistin oder ein Schmerzspezialist hinzugezogen werden sollte.

Beide können sehr ähnliche Beschwerden verursachen – das macht die klinische Unterscheidung schwierig. Beim ISG-Syndrom sind die Schmerzen tiefer im Kreuz lokalisiert, häufig einseitig, und können in die Leiste ausstrahlen. Die diagnostische Blockade ist der zuverlässigste Weg zur Unterscheidung. Nicht selten bestehen beide Erkrankungen gleichzeitig.

Typischerweise 12–24 Monate. Die posterioren Nervenäste regenerieren sich dann langsam. Wenn Schmerzen zurückkehren, kann die RFA wiederholt werden.

Nach der ISG-Infiltration oder RFA kann der Kreuzbereich für 2–5 Tage etwas schmerzhafter sein als zuvor – das ist normal. Ein leichtes Taubheitsgefühl im Gesäss oder Oberschenkel für Stunden nach der Behandlung ist ebenfalls normal.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Fieber über 38,5 °C kombiniert mit stark zunehmenden Kreuzschmerzen

⚠ Neu aufgetretener Schwäche oder Taubheit im Bein, die nicht abklingt

⚠ Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle

Wissenschaftliche Referenzen
  • Fortin JD et al. Sacroiliac joint: pain referral maps. Spine. 1994;19(13):1475–1482.
  • Schwarzer AC et al. The sacroiliac joint in chronic low back pain. Spine. 1995;20:31–37.
  • Cohen SP et al. Sacroiliac joint RFA: systematic review. Reg Anesth Pain Med. 2013.
  • Patel N et al. Percutaneous lateral branch neurotomy for SI joint pain. Pain Physician. 2012.

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