Facettensyndrom behandeln – Infiltration und Radiofrequenzablation in Zürich

Rückenschmerzen, die sich beim Rückwärtsbeugen und beim Drehen verschlimmern. Schmerzen, die ins Gesäss oder die Oberschenkel ausstrahlen, aber selten unter das Knie. Morgensteifigkeit, die sich nach dem Anlaufen etwas bessert. Diese Konstellation ist typisch für das Facettensyndrom – und wird von vielen Patienten jahrelang als «einfacher Rücken» abgetan.

Dabei ist es eine der häufigsten, aber auch eine der best behandelbaren chronischen Rückenschmerzursachen.

Was ist das Facettensyndrom?

Die Wirbelgelenke (Facettengelenke oder Zygapophysalgelenke) verbinden die einzelnen Wirbelkörper miteinander und ermöglichen Dreh- und Gleitbewegungen der Wirbelsäule. Wie jedes andere Gelenk können sie von Arthrose befallen werden (Spondylarthrose) – mit den typischen Folgen: Entzündung, Schmerz und eingeschränkte Beweglichkeit.

Das Facettensyndrom ist für etwa 15–45 % aller chronischen Rückenschmerzen verantwortlich, betrifft häufig die Lendenwirbelsäule (LWS), kann aber auch die Halswirbelsäule (HWS) oder Brustwirbelsäule (BWS) betreffen.

Behandlungskonzept: Infiltration, dann Ablation

Wir folgen einem zweistufigen Konzept:

Schritt 1: Diagnostische Facetteninfiltration

Unter CT- oder Fluoroskopie-Kontrolle wird ein entzündungshemmendes Medikament (Kortison + Lokalanästhetikum) gezielt in die betroffenen Facettengelenke oder an die versorgenden Nervenfasern (Rami mediales) injiziert. Dieser Eingriff hat eine doppelte Funktion:

  • Therapeutisch: Direkte, rasche Schmerzlinderung durch lokale Entzündungshemmung
  • Diagnostisch: Wenn die Infiltration Ihre Beschwerden deutlich bessert, ist damit bestätigt, dass die Facettengelenke tatsächlich die Schmerzquelle sind
Schritt 2: Radiofrequenzablation (RFA)

Wenn die Infiltration gut wirkt, der Effekt aber nach Wochen wieder nachlässt, ist die Radiofrequenzablation der nächste Schritt. Dabei werden die kleinen Nervenfasern, die die Facettengelenke versorgen (Rami mediales), durch Radiofrequenz-Wärme (~80 °C) gezielt ausgeschaltet. Die Schmerzleitung aus den betroffenen Gelenken wird dauerhaft unterbrochen – für 12–24 Monate oder länger.

Ablauf beider Verfahren

Vor dem Eingriff

MRI der Wirbelsäule. Blutverdünner in Absprache pausieren. Begleitperson empfohlen.

Der Eingriff

Oftmals ambulant, örtliche Betäubung, Bildkontrolle. Infiltration: 15–30 Minuten. RFA: 30–60 Minuten. Keine Vollnarkose.

Nach dem Eingriff

24–48 Stunden leichte Schonung. Kein Autofahren am Behandlungstag. Wirkung nach 3–7 Tagen.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Chronische Rückenschmerzen mit klinischem Verdacht auf Facettensyndrom
  • Positive diagnostische Facetteninfiltration als Voraussetzung für die RFA
NICHT ODER EINGESCHRÄNKT GEEIGNET
  • Radikulopathie als Hauptsymptom (hier PRT bevorzugen)
  • Spinalkanalstenose mit Claudicatio spinalis (andere Behandlung)

FAQ – Facettensyndrom

Bei Facettengelenkarthrose ist eine Wirbelsäulenversteifung (Spondylodese) erst in therapie-refraktären Fällen indiziert. Die Radiofrequenz-Denervation (Thermokoagulation der medialen Äste) ist der empfohlene primäre Eingriff: Sie unterbricht die Schmerzleitung am Facettengelenk gezielt, ohne die Wirbelsäule zu versteifen. Der Effekt hält typischerweise 6–18 Monate an und kann wiederholt werden.

Das hängt davon ab, ob das Facettensyndrom tatsächlich die Hauptursache Ihrer Beschwerden ist. Bei klarer klinischer Diagnose und sorgfältiger Indikationsstellung sprechen 50–70 % der Patienten gut auf die diagnostische Blockade an. Wenn Sie von der Infiltration profitieren, ist die Erfolgswahrscheinlichkeit der anschliessenden RFA sehr hoch.

Wenn weder die Infiltration noch die RFA eine ausreichende Wirkung zeigen, gibt es zwei mögliche Erklärungen: Erstens könnte eine andere Struktur – etwa das Iliosakralgelenk oder eine Bandscheibe – die eigentliche Schmerzquelle sein, die wir dann gezielt abklären. Zweitens kann bei sehr lange bestehenden chronischen Schmerzen eine sogenannte Schmerzchronifizierung vorliegen, bei der das Schmerzsystem selbst verändert ist und eine Schmerztherapeutin oder ein Schmerztherapeut hinzugezogen werden sollte.

Die Radiofrequenzablation hält in der Regel 12–24 Monate. Die Nervenfasern regenerieren sich dann langsam, was ein Wiederkehren der Schmerzen ankündigen kann. In diesem Fall kann die RFA problemlos wiederholt werden.

Ja – die RFA kann gleichzeitig an mehreren Wirbelsäulenetagen durchgeführt werden. Wenn viele Etagen betroffen sind, entscheiden wir gemeinsam, ob wir alle in einer Sitzung behandeln oder schrittweise vorgehen, um das Ansprechen besser beurteilen zu können.

Nach der Facetteninjektion oder RFA kann der Rücken für 2–5 Tage vorübergehend mehr schmerzen als vorher – das ist eine normale Entzündungsreaktion an der behandelten Stelle (Reaktionsschmerz). Auch ein leichtes Taubheitsgefühl im Bein für Stunden ist normal.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Fieber über 38,5 °C kombiniert mit starken Rückenschmerzen (Anzeichen einer Infektion)

⚠ Neu aufgetretener Lähmung oder deutlichem Taubheitsgefühl, das nicht abklingt

⚠ Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle (sofortiger Notfall)

⚠ Starken Kopfschmerzen in aufrechter Position

Wissenschaftliche Referenzen
  • Dreyfuss P et al. Efficacy and validity of radiofrequency neurotomy for chronic lumbar zygapophysial joint pain. Spine. 2000;25(10):1270–1277.
  • Manchikanti L et al. Comparative effectiveness evaluation of facet joint interventions in managing chronic spinal pain. Pain Physician. 2010.
  • Cohen SP et al. Facet joint pain – advances in patient selection and treatment. Nat Rev Rheumatol. 2013;9(2):101–116.

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