Vergrösserte Prostata behandeln ohne Operation PAE und Cryoablation in Zürich

Dreimal pro Nacht aufstehen. Ein schwacher Harnstrahl, der endlos braucht. Das Gefühl, nie wirklich fertig zu sein. Die vergrösserte Prostata ist eine der häufigsten Erkrankungen älterer Männer – und doch wird sie oft viel zu lange ertragen, weil die bekannten Behandlungen entweder Medikamente mit unangenehmen Nebenwirkungen sind oder eine Operation, die Risiken für die Sexualfunktion birgt.

Die Prostataarterienembolisation (PAE) bietet einen dritten Weg: keine Operation, keine Vollnarkose, kein Katheter für Wochen – und eine Wirksamkeit, die durch grosse internationale Studien belegt ist. Weniger bekannt, aber international auf immer mehr Interesse stösst die Cryoablation der Prostata.

Was ist die benigne Prostatahyperplasie (BPH)?

Die BPH – die gutartige Vergrösserung der Prostata – betrifft etwa 50 % der Männer über 60 und bis zu 80 % der Männer über 80. Die Prostata wächst, umschliesst die Harnröhre und engt sie ein. Die Folge: Das Wasserlassen wird beschwerlich.

Typische Beschwerden:

Häufiger, plötzlicher Harndrang – auch nachts (Nykturie)

Schwacher, zögernder oder unterbrochener Harnstrahl

Das Gefühl, die Blase nie vollständig leeren zu können

Tröpfeln nach dem Wasserlassen

In schweren Fällen: vollständiger Harnverhalt (Notfall)

Prostataarterienembolisation (PAE) – wie funktioniert das?

Die PAE unterbricht die Blutversorgung der vergrösserten Prostataanteile gezielt. Ohne Blutversorgung schrumpft das Gewebe auf natürliche Weise – und damit der Druck auf die Harnröhre.

Ablauf Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

Urologische Vorabklärung (IPSS-Score, Harnflussrate, PSA, Restharnmessung, ggf. MRI der Prostata) ist empfohlen und in den meisten Fällen bereits vorhanden. Nüchternheit (mind. 6 Stunden vor dem Eingriff).

Der Eingriff

Unter örtlicher Betäubung und leichter Sedierung wird über eine kleine Punktion am Handgelenk oder der Leiste ein dünner Katheter in die Prostataschlagadern (Prostataaterien) eingeführt. Unter Röntgenkontrolle (Angiographie) werden winzige Mikropartikel oder medizinischer Leim injiziert, die den Blutfluss zur vergrösserten Prostata gezielt unterbrechen. Dauer: 1,5–2 Stunden.

Ambulant oder stationär?

PAE ist ambulant möglich. Viele Patienten übernachten jedoch für eine Nacht, da die Beschwerden nach dem Eingriff dann am grössten sind – bei schwererem Harnverhalt oder bei sehr grosser Prostata ist dies häufiger sinnvoll.

Nach dem Eingriff

Leichte Unterleibsbeschwerden und ev. kurzfristig leichtes Brennen beim Wasserlassen für einige Tage. Die meisten Patienten sind nach 3–7 Tagen wieder arbeitsfähig.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt mit allen spezifischen Anweisungen

Cryoablation der Prostata

Bei ausgewählten Patienten – insbesondere bei sehr grossem Prostatavolumen oder bei lokal begrenztem Prostatakarzinom – kann ergänzend oder alternativ eine Cryoablation (gezielte Vereisung von Prostatagewebe auf unter –120 °C, unter bildgebender Kontrolle) in Betracht gezogen werden. Wir besprechen im individuellen Beratungsgespräch, welche Methode für Ihre Situation die sinnvollste ist.

Was sagt die Wissenschaft?

  • Eine Studie der Universität Miami mit 1.075 Patienten (Bhatia et al., JVIR 2025): Der IPSS-Symptom-Score sank von median 23 vor dem Eingriff auf 7 nach 1–3 Monaten – eine dramatische Verbesserung.
  • 94 % der Patienten, die vor dem Eingriff einen Dauerkatheter trugen, waren nach 3 Monaten katheter-frei.
  • 65,5 % der Patienten benötigten nach einem Jahr keine Prostatamеdikamente mehr.
  • Der PARTEM-Trial (Sapoval et al., Lancet Reg Health Eur 2023): PAE ist der kombinierten Medikamententherapie überlegen – und zeigte zusätzliche Vorteile für die Sexualfunktion.
  • PAE ist seit 2023 in den aktualisierten Leitlinien der American Urological Association (AUA) als anerkannte Therapieoption aufgeführt.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Männer mit mittel- bis schwergradigen BPH-Symptomen (IPSS > 12)
  • Patienten, bei denen Medikamente nicht wirken, nicht vertragen werden oder abgelehnt werden
  • Patienten, die eine Operation ablehnen oder ein erhöhtes Operationsrisiko haben
  • Auch bei sehr grossen Prostatavolumina (>100 g) anwendbar
Nicht geeignet
  • Prostatakarzinom (hier andere Therapieplanung – Cryoablation/IRE gesondert besprochen)
  • Gefässanatomie, die eine Katheternavigation zu den Prostataaterien nicht zulässt (selten)
  • Nicht beherrschbare Kontrastmittelallergie

FAQ – Vergrösserte Prostata (BPH / PAE)

Ja. Die Prostataarterienembolisation (PAE) erzielt in Studien vergleichbare Verbesserungen der Symptome (IPSS) wie die TURP – jedoch ohne Vollnarkose, ohne Katheter nach dem Eingriff (in den meisten Fällen) und ohne Risiko für retrograde Ejakulation oder Inkontinenz. Die PAE eignet sich zudem exzellent für grosse Prostatavolumina (> 80 ml) und Patienten mit hohem Operationsrisiko.

HoLEP gilt mittlerweile als chirurgischer Goldstandard und zeigt eine stärkere Verbesserung des maximalen Harnflusses (Qmax). Die PAE erreicht vergleichbare Verbesserungen bei Symptomscores (IPSS) und Lebensqualität, hat aber ein deutlich besseres Nebenwirkungsprofil: keine Ejakulationsstörung, keine Inkontinenz, oftmals kein Spitalaufenthalt. Für Patienten, die Wert auf den Erhalt der Sexualfunktion legen oder eine Narkose vermeiden möchten, ist die PAE eine starke Option.

Nicht unbedingt. Medikamente (Alphablocker, 5-Alpha-Reduktase-Hemmer) lindern Symptome, beseitigen aber nicht die Ursache. Der PARTEM-Trial zeigte, dass die PAE der medikamentösen Therapie überlegen ist. Nach PAE benötigen über 65 % der Patienten nach einem Jahr keine Prostatamedikamente mehr.

Die Prostata schrumpft graduell. Die ersten spürbaren Verbesserungen – weniger Harndrang, besserer Harnstrahl – treten meist nach 4–6 Wochen auf. Das optimale Ergebnis wird nach 3–6 Monaten erreicht, wenn das Prostatagewebe vollständig auf den Eingriff reagiert hat.

Grundsätzlich Nein – PAE hat in mehreren grossen Studien keine negative Auswirkung auf die Erektionsfähigkeit oder die Ejakulation gezeigt. Im Vergleich zur klassischen transurethralen Resektion der Prostata (TURP), die in bis zu 20 % der Fälle eine retrograde Ejakulation verursacht, ist PAE deutlich schonender für die Sexualfunktion. Selten sind Erektionsstörungen bei Fehlbehandlung der Penisarterien beschrieben, wobei  diese Komplikation aufgrund der immer besser werdenden Bildgebung immer rarer wird.

Wenn ein Patient initial von der PAE profitiert hat – also eine Verbesserung spürte – der Effekt aber nach Monaten oder Jahren nachlässt, kann die Embolisation gut wiederholt werden. Bei Patienten, die bereits initial nicht auf die PAE ansprechen (sog. Non-Responder), bringt eine Wiederholung in der Regel wenig. In diesem Fall besprechen wir gemeinsam mit Ihrem Urologen alternative Therapien.

Ja. PAE ist auch bei grossen Prostatavolumina (>100 g und darüber) wirksam und sicher. In der Studie von Bhatia et al. (2025) mit 1.075 Patienten lag das mediane Prostatavolumen bei 107 g – PAE zeigte auch in dieser Gruppe signifikante, anhaltende Verbesserungen.

In der Regel nicht. Patienten mit normalem Harntransport vor der PAE können direkt nach dem Eingriff normal wasserlassen. Wenn Sie vor dem Eingriff bereits einen Dauerkatheter tragen (Harnverhalt), wird dieser nach 2–3 Wochen entfernt, wenn die Prostata zu schrumpfen begonnen hat.

Die PAE unterbricht die Blutversorgung der vergrösserten Prostata über den Katheter – das Gewebe stirbt durch Sauerstoffmangel ab und schrumpft. Die Cryoablation hingegen zerstört das Gewebe direkt durch gezielte Vereisung auf unter –120 °C. Beide Verfahren sind minimal-invasiv. Welches für Sie geeignet ist, besprechen wir anhand Ihrer Anatomie und Ihres Krankheitsbildes.

Ja, eine urologische Vorabklärung (inklusive Harnflussrate, Restharnmessung, PSA und ggf. MRI der Prostata) ist empfohlen. In den meisten Fällen liegt diese Abklärung bereits vor. Wir arbeiten eng mit Urologen zusammen und koordinieren uns gerne direkt mit Ihrem Behandlungsteam.

Nach dem Eingriff verschreiben wir Ihnen Schmerz- und Entzündungshemmer für einige Tage sowie ein Antibiotikum als Prophylaxe. Alphablocker (Prostatamеdikamente) werden je nach Verlauf schrittweise ausgeschlichen – 65 % der Patienten benötigen nach einem Jahr keine Prostatamеdikamente mehr.

In den ersten Tagen nach der PAE kann das sogenannte Post-PAE-Syndrom auftreten: Unterbauchschmerzen, häufigeres Wasserlassen, ev. Brennen, leichtes Fieber. Das ist normal und Teil der Heilungsreaktion der Prostata.

Normal und zu erwarten:

  • Schmerzen im Unterbauch und Beckengegend für 2–5 Tage
  • Vorübergehend häufigeres oder erschwertes Wasserlassen (kann sich initial kurz verschlechtern)
  • Leichtes Fieber bis 38,5 °C in den ersten 24–48 Stunden
  • Leichte Blutspuren im Urin oder Stuhl für einige Tage (normal)

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Vollständiger Harnverhalt (Sie können überhaupt nicht mehr Wasser lassen) – sofort melden

⚠ Fieber über 38,5 °C, das nach 48 Stunden nicht sinkt

⚠Starker Schwellung oder Eiter an der Einstichstelle (Leiste oder Handgelenk)

⚠ Plötzlichen starken Schmerzen im Hodensack (selten, aber sofort melden)

Wissenschaftliche Referenzen
  • Bhatia S et al. PAE: Mid- to Long-Term Outcomes in 1,075 Patients. J Vasc Interv Radiol. 2025;36(3):456–466.
  • Sapoval M et al. PAE vs medical treatment (PARTEM trial). Lancet Reg Health Eur. 2023.
  • Bilhim T et al. 2-Year Outcomes of PAE – International Multicenter Prospective Study. Cardiovasc Intervent Radiol. 2024.
  • Sandhu JS et al. AUA Guideline Amendment 2023: Management of LUTS attributed to BPH. J Urol. 2024;211(1):11–19.
  • McWilliams JP et al. Multisociety Consensus Position Statement on PAE for BPH. J Vasc Interv Radiol. 2019;30(5):627–637.

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