Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE) in Zürich – schonende Alternative zur Operation

Blutungen beim Stuhlgang. Ein Brennen und Jucken, das nicht aufhört. Ein Fremdkörpergefühl oder Prolaps, der den Alltag belastet. Hämorrhoiden sind weit verbreitet – und oft ein Thema, über das man lieber nicht spricht. Klassische Behandlungen wie Gummibandligatur oder Verödung sind gut wirksam bei leichten Formen. Bei fortgeschrittenen oder wiederkehrenden Hämorrhoiden bleibt aber häufig nur die chirurgische Hämorrhoiden-Operation – mit dem bekannten, oft gefürchteten Erholungsschmerz.

Die Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE) bietet eine Alternative: Kein Einschnitt im Analbereich, kein Operationssaal, kein ausgedehnter Heilungsschmerz – sondern ein bildgesteuerter Kathetereingriff, der die Blutversorgung der Hämorrhoiden gezielt reduziert.

Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind keine «Krampfadern», sondern normale Gefässpolster im Analkanal, die zur Feinkontinenz beitragen. Sie werden zum medizinischen Problem, wenn sie sich vergrössern, prolabieren oder bluten. Man unterscheidet vier Grade:

  • Grad 1: Vergrösserung ohne Prolaps, nur Blutungen möglich
  • Grad 2: Prolaps beim Pressen, spontane Reposition
  • Grad 3: Prolaps, manuelle Reposition notwendig
  • Grad 4: Dauerhafter Prolaps, nicht reponierbar

Die HAE ist primär für Grad 1 bis 3 geeignet – also für Hämorrhoiden, die prolabieren, aber noch reponierbar sind. Zudem werden durch die Embolisation vorwiegend die Blutungsbeschwerden reduziert, weniger der Prolaps selber. Grad 4 erfordert sicherlich eine chirurgische Behandlung.

Die Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE) – wie funktioniert das?

Hämorrhoiden werden über die Hämorrhoidalarterien (Äste der Arteria rectalis superior, weniger von der A. rectalis media) mit Blut versorgt. Je mehr Blut in diese Gefässe fliesst, desto stärker schwellen die Hämorrhoidalpolster an und desto eher bluten und prolabieren sie. Die HAE verschliesst diese zuführenden Arterien gezielt von innen – über einen Katheter, ohne jeden Eingriff am Analkanal.

Der Eingriff – Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

Proktologische Abklärung (Rekto-/Proktoskopie oder Koloskopie) zum Ausschluss anderer Ursachen (Polypen, Karzinom). Nüchternheit erforderlich. Kein Einlauf nötig.

Zugang

Unter örtlicher Betäubung wird eine winzige Punktion in der Leistenarterien (Zugang: ca. 1–2 mm, kein Schnitt) angelegt. Ein dünner Katheter wird über die Leiste in die Beckengefässe navigiert.

Angiographie und Darstellung

Kontrastmittel wird injiziert und die Arteria rectalis superior mit ihren Ästen unter Röntgendurchleuchtung dargestellt. Die Gefässe, die die Hämorrhoidalpolster versorgen, werden identifiziert.

Superselektive Embolisation

Mit einem Mikrokatheter werden die Hämorrhoidalarterien gezielt mit kleinen Metallspiralen (Coils) oder Mikropartikeln verschlossen. Dabei werden nur die Hämorrhoidalgefässe embolisiert – die Blutversorgung des übrigen Rektums, des Schliessmuskelkomplexes und des Beckenbodens bleibt vollständig erhalten.

Kontrolle

Eine abschliessende Angiographie bestätigt den korrekten Verschluss der Zielgefässe.

Dauer

45–75 Minuten.

Nach dem Eingriff

Kurze Überwachungsphase. Keine starken Schmerzen im Analbereich. Kleine Kompression an der Einstichstelle in der Leiste. Rückkehr zu normalen Aktivitäten am nächsten Tag.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Was passiert nach dem Eingriff mit den Hämorrhoiden?

Durch den reduzierten arteriellen Zufluss schrumpfen die Hämorrhoidalpolster über die folgenden Wochen. Blutungen – das häufigste und belastendste Symptom – hören in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage bis Wochen auf. Der Prolaps nimmt auch leicht ab, das Fremdkörpergefühl bessert sich. Der Körper baut das überschüssige Gewebe schrittweise ab.

Was sagt die Wissenschaft?

  • Vidal V et al. (Cardiovasc Intervent Radiol, 2018): Erste grössere Studie zur HAE. Technische Erfolgsrate: 100 %. Klinisches Ansprechen bei 81 % der Patienten nach 3 Monaten. Blutungen stoppten bei 89 % der Patienten.
  • Traina M et al. (Radiol Med, 2021): Multizentrische Erfahrung mit HAE. Nach 12 Monaten zeigten 78 % der Patienten eine deutliche Besserung der Blutungen; Prolaps verbesserte sich bei 65 %.
  • Die HAE zeigt in den bisherigen Studien eine vergleichbare Wirksamkeit wie die transanale Doppler-gesteuerte Hämorrhoidalarterienligatur (THD/DGHAL) – jedoch ohne den Eingriff im Analkanal.
  • Rezidivrate: In Studien mit 12 Monaten Follow-up lag die Rate symptomatischer Rezidive bei 15–20 %. Bei Rezidiv kann die HAE problemlos wiederholt werden.
  • Komplikationsrate: Sehr gering. Keine Sphinkterverletzungen, keine Analschmerzen als Komplikation. Lokales Hämatom an der Einstichstelle in der Leiste (selten, <5 %).

HAE vs. klassische Behandlungen – ein Vergleich

Die HAE ergänzt das bestehende Therapiespektrum sinnvoll – besonders für Patienten, bei denen andere Methoden versagt haben oder nicht möglich sind:

  • Gummibandligatur (Grad 1–2): Sehr wirksam für innere Hämorrhoiden. Analschmerzen möglich. HAE ist eine Alternative bei Patienten, die Bandligatur nicht tolerieren.
  • THD/DGHAL (Grad 2–3): Doppler-gesteuerte Hämorrhoidalarterienligatur von innen. Vergleichbar mit HAE in Wirksamkeit, erfordert aber Rektaleingriff in Narkose.
  • Chirurgische Hämorrhoidektomie (Grad 3–4): Definitive Therapie. Stark wirksam, aber bekannt für starke postoperative Analschmerzen und längere Erholung. HAE ist keine Alternative bei Grad 4.
  • HAE (Grad 2–3): Kein Rektaleingriff, kein Operationssaal, kein Analschmerz. Oftmals a Weniger invasiv als alle chirurgischen Optionen.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Hämorrhoiden Grad 2 und 3 mit Blutungen und/oder Prolaps
  • Hämorrhoiden, die auf Gummibandligatur oder medikamentöse Therapie nicht ausreichend ansprechen
  • Patienten, die einen Analeinschnitt und Operationssaal vermeiden möchten
  • Rezidiv-Hämorrhoiden nach vorheriger Behandlung
Nicht geeignet
  • Hämorrhoiden Grad 4 (dauerhafter, nicht reponierbarer Prolaps) – hier ist die chirurgische Hämorrhoidektomie überlegen
  • Frische, thrombosierte Hämorrhoiden (Notfallbild – andere Therapie)
  • Andere Ursachen der rektalen Blutung nicht ausgeschlossen (Polypen, Karzinom – zunächst Koloskopie)
  • Schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) der Beckengefässe

FAQ – Hämorrhoidenarterienembolisation

Die Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE) ist das schmerzärmste Verfahren bei Hämorrhoiden Grad II–III. Im Gegensatz zur chirurgischen Hämorrhoidektomie (Milligan-Morgan, Longo) oder der Gummibandligatur erfordert die HAE keine Manipulation am empfindlichen Analkanal. Der Eingriff erfolgt über einen Zugang in der Leiste oder am Handgelenk. Die meisten Patienten berichten über keine oder minimale Schmerzen nach dem Eingriff.

Ja. Die HAE erfordert typischerweise 1–2 Tage Erholung, verglichen mit 2–4 Wochen bei chirurgischen Verfahren. Der Eingriff ist oftmals ambulant, und die meisten Patienten kehren am nächsten Tag zur Arbeit zurück. Die bisherigen Studien zeigen Erfolgsraten von 78–89 % bei Blutungen.

Nein – das ist einer der grössten Vorteile der HAE gegenüber chirurgischen Verfahren. Es gibt keinen Einschnitt im Analbereich. Die Behandlung erfolgt über einen Zugang in der Leiste (winzige Punktion) unter Lokalanästhesie. Analschmerzen – die bei Hämorrhoidenoperationen oft wochenlang anhalten – treten bei der HAE nicht auf.

Blutungen lassen in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage bis 2 Wochen deutlich nach. Der Prolaps und das Druckgefühl bessern sich über 4–8 Wochen, wenn die Hämorrhoidalpolster schrumpfen.

Primär für Grad 2 und 3 – also für Hämorrhoiden, die beim Pressen prolabieren, sich aber noch zurückschieben lassen. Grad 4 (dauerhafter Prolaps) erfordert in der Regel eine chirurgische Hämorrhoidektomie.

Eine proktologische Vorabklärung (mindestens Proktoskopie) ist obligatorisch, um andere Ursachen von Blutungen oder Beschwerden auszuschliessen – insbesondere Darmpolypen oder ein Karzinom. Wir koordinieren dies gerne mit einem Gastroenterologen oder Proktologen.

Ja – bei Rezidiv kann die Embolisation problemlos wiederholt werden. Sie beeinflusst auch keine spätere chirurgische Behandlung.

Nein. Die Embolisation verschliesst ausschliesslich die Hämorrhoidalarterien (Äste der A. rectalis superior). Die Blutversorgung des restlichen Rektums, des Schliessmuskelkomplexes und des Beckenbodens bleibt vollständig erhalten. Keine Beeinträchtigung der Darmfunktion oder Kontinenz.

Nach der Hämorrhoidenarterienembolisation können leichte Unterleibsbeschwerden und vorübergehend etwas häufigerer Stuhldrang für 1–2 Tage auftreten. Die Blutungen beim Stuhlgang sollten rasch abnehmen.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Starker Blutung aus dem Darm (nicht nur leichte Spuren)

⚠ Fieber über 38,5 °C kombiniert mit Bauchschmerzen

⚠ Zeichen einer Infektion an der Einstichstelle (Leiste)

Wissenschaftliche Referenzen
  • Vidal V et al. Hemorrhoidal artery embolization for the treatment of bleeding hemorrhoids. Cardiovasc Intervent Radiol. 2018;41(9):1327–1335.
  • Traina M et al. Embolization of hemorrhoidal arteries in patients with grade II–III hemorrhoidal disease. Radiol Med. 2021;126(2):290–297.
  • Moussa N et al. Feasibility and short-term outcomes of rectal superior artery embolization for hemorrhoidal bleeding. Cardiovasc Intervent Radiol. 2017.
  • Zakharchenko A et al. Hemorrhoidal artery embolization vs. Doppler-guided hemorrhoidal artery ligation: comparative outcomes. Diagn Interv Radiol. 2021.

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