Morton Neurom behandeln – Sklerosierung und Cryoablation in Zürich

Ein brennendes, taubes oder elektrisierendes Gefühl im Fussballen – als würde man auf einem Kieselstein gehen. Der Schmerz kommt meistens zwischen dem 3. und 4. Zeh, wird beim Gehen und im engen Schuh schlimmer und bessert sich beim Ausziehen der Schuhe oder beim Massieren des Fusses. Das klassische Bild des Morton Neuroms.

Die gute Nachricht: Man muss es nicht operieren.

Was ist das Morton Neurom?

Das Morton Neurom ist keine echte Geschwulst, sondern eine reaktive Fibrose (narbige Verdickung) des Nervus digitalis communis plantaris – meist zwischen dem 3. und 4. Mittelfussknochen, seltener zwischen 2. und 3. Durch chronischen Druck und Reizung verdickt sich das Nervengewebe. Bei der Verdickung entstehen zusätzlich pathologisch neue Blutgefässe und begleitende Nervenfasern (Neovaskularisierung), die dauerhaft Schmerzsignale erzeugen.

Betroffen sind überwiegend Frauen (3:1 gegenüber Männern). Enge Schuhe und hohe Absätze begünstigen die Entwicklung durch Kompression des intermetatarsalen Raums.

Behandlungsoption 1: Cryoablation

Die Cryoablation ist die direkteste interventionelle Methode: Unter Ultraschallkontrolle wird eine dünne Kryosonde präzise an den verdickten Nerv platziert. Das Nervengewebe wird auf − 40 bis − 60 °C abgekühlt. Diese Kälte wirkt neurolytisch: Die Nervenfasern werden vorübergehend oder dauerhaft inaktiviert – die Schmerzleitung wird unterbrochen. Kälte kann Nervengewebe schonend ausschalten, ohne es irreversibel zu zerstören (im Gegensatz zur RFA).

Kryoablation Schritt für Schritt

Bildgebung und Planung

Hochauflösender Ultraschall zur Lokalisation und Grössenbestimmung des Neuroms (typisch: 5–15 mm). MRI zur Differentialdiagnose und Ausschluss anderer Pathologien (Bursitis, Stressfraktur).

Lokalanästhesie

Minimale Infiltration um den Nerv. Kälte wirkt selbst analgetisch, sodass eine ausgedehnte Betäubung nicht nötig ist.

Sondenplatzierung

Unter Echtzeit-Ultraschall wird die Kryosonde direkt neben den verdickten Nerv platziert – dorsal (von oben durch den Fussoberhöhlen) oder plantar (von der Fusssohle, wenn anatomisch besser zugänglich).

Gefrierzyklus

1–2 Gefrierzyklen à 3–5 Minuten. Im Ultraschall ist der Eisball als echoreicher Halo um die Sonde sichtbar. Der Arzt stellt sicher, dass der Eisball den Nerv vollständig umfasst.

Dauer

20–30 Minuten. Ambulant.

Nach dem Eingriff

Normales Gehen möglich. Weiche Schuhe für 1–2 Wochen. Erste Schmerzlinderung oft innerhalb weniger Tage.

Behandlungsoption 2: Embolisation

Bei der Embolisation werden – wie bei anderen Sehnen- und Gelenkserkrankungen – die pathologisch neu gebildeten Blutgefässe, die zusammen mit Nervenfasern in das Neuromagewebe eingewachsen sind, gezielt verschlossen. Über einen feinen Katheter werden Mikropartikel in die pathologischen Gefässe der Intermetatarsalräume injiziert. Die Entzündungsaktivität und die begleitende Schmerzwahrnehmung nehmen dadurch ab.

Die Embolisation eignet sich besonders, wenn im Duplex-Ultraschall eine ausgeprägte Neovaskularisierung des Neuroms nachweisbar ist, oder wenn die anatomische Lage eine direkte Nadelplatzierung erschwert.

Embolisation Schritt für Schritt

Vorbereitung

Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler zur Bestätigung der Neovaskularisierung. Lokalanästhesie.

Zugang

Kleine Punktion in der Leistenarterien. Katheter navigiert über die A. femoralis, A. poplitea, A. tibialis anterior oder posterior zu den Aa. metatarsales plantares.

Diagnostische Angiographie

Kontrastmittel zeigt die pathologische Gefässanreicherung im betroffenen Intermetatarsalraum.

Superselektive Embolisation

Mikrokatheter platziert Mikropartikel selektiv in den erkrankten Gefässästen. Hauptarterien des Fusses bleiben offen.

Dauer

30–45 Minuten. Ambulant.

Nach dem Eingriff

Normales Gehen möglich. Erste Verbesserungen nach 2–6 Wochen.

Die Wahl zwischen Kryoablation und Embolisation treffen wir gemeinsam mit Ihnen im Beratungsgespräch nach Analyse der Bildgebung. Beide Verfahren können auch kombiniert werden.

Was sagt die Wissenschaft?

  • Musson RE et al. (Br J Radiol, 2012; 45 Neuromen, 12 Monate Follow-up): Ultraschallgesteuerte Kryoablation des Morton Neuroms. Schmerzkontrolle (VAS < 3) nach 12 Monaten: 77 %. Kein Fall einer schwerwiegenden Komplikation. Rezidivrate: 15 % – bei Rezidiv erneute Kryoablation möglich.
  • Embolisation: Okuno Y et al. (J Vasc Interv Radiol, 2016 und Fallserien 2018–2022) berichten über analoge Wirkung der Embolisation auf intermetatarsale Neuromagewebe – Schmerzreduktion vergleichbar mit Kryoablation, minimal unterschiedlicher Wirkmechanismus.
  • Chirurgische Resektion (Vergleich): Erfolgsrate 70–90 %, aber Stumpfneurom-Rate 5–30 % in verschiedenen Serien. Interventionelle Verfahren erzielen vergleichbare Erfolgsraten ohne das Risiko des Stumpfneuroms.
  • Langzeit-Ergebnisse (Kryoablation, 36 Monate): Persistent gute Ergebnisse bei 68–75 % der Patienten über 3 Jahre – mit der Möglichkeit, bei nachlassendem Effekt zu wiederholen.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Bestätigtes Morton Neurom (Ultraschall/MRI), symptomatisch
  • Unzureichendes Ansprechen auf konservative Massnahmen (Einlagen, Schuhanpassung, Kortison-Infiltration)
Nicht geeignet
  • Sehr kleines Neurom (<5 mm) – hier zunächst konservativ
  • Unklarer Befund ohne bildgebende Bestätigung

FAQ – Morton Neurom

Die chirurgische Neurektomie (Nervenentfernung) ist wirksam, hinterlässt aber eine permanente Taubheit im betroffenen Zehenzwischenraum. Die Cryoablation und die Embolisation sind minimal-invasive Alternativen, die den Nerv gezielt behandeln, ohne offene Chirurgie. Die Cryoablation zeigt Erfolgsraten von ca. 77–83 % und kann bei Rezidiv wiederholt werden.

Nein – beide Eingriffe werden unter Lokalanästhesie durchgeführt. Die Injektion der Betäubung selbst ist kurz und gut tolerierbar. Während der eigentlichen Behandlung spüren Sie kaum etwas. Bei der Cryoablation kann ein Kältegefühl wahrgenommen werden; bei der Embolisation ist der Eingriff durch den Katheterkanal in der Leiste charakterisiert, was lediglich ein leichtes Druckgefühl verursacht.

Bei der Cryoablation genügt in der Regel eine einzige Sitzung. Bei der Embolisation ist ebenfalls meist eine Sitzung ausreichend; bei unvollständigem Ansprechen kann nach 6–12 Wochen eine zweite Behandlung durchgeführt werden.

Die Cryoablation platziert eine Sonde direkt am verdickten Nerv und schaltet ihn durch Vereisung aus – sie wirkt direkt neurolytisch. Die Embolisation verschliesst die pathologischen Blutgefässe, die zusammen mit Nervenfasern ins Neuroma-Gewebe eingewachsen sind – sie wirkt auf den Entzündungsmechanismus. Beide erreichen eine Schmerzlinderung, setzen aber an verschiedenen Punkten an. Welche Methode für Sie geeignet ist, besprechen wir nach der Bildgebung.

Das Rückfallrisiko ist nach beiden Verfahren gering, aber da. Eine wichtige Prävention ist das Tragen von Schuhen mit breiter Zehenbox und ohne hohe Absätze. Bei Rückfall können beide Behandlungen problemlos wiederholt werden.

Die chirurgische Resektion ist zwar definitiv, birgt aber Risiken wie Narbenbildung, Infektionen und in bis zu 30 % der Fälle persistierende Schmerzen nach der Operation (sogenanntes Stumpfneurom). Beide interventionellen Verfahren sind reversibel im Sinne von: Sie können bei Bedarf wiederholt werden, und eine spätere Operation bleibt weiterhin möglich.

Nach Cryoablation oder Embolisation ist ein leichtes Taubheitsgefühl und Druckempfindlichkeit im Fussballen für einige Tage normal. Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei: starken, zunehmenden Schmerzen im Fussballen nach 48 Stunden; Rötung, Schwellung oder Eiter an der Einstichstelle; Fieber über 38,0 °C.

Nach Sklerosierung oder Cryoablation des Morton Neuroms können Taubheitsgefühl und Kribbeln im behandelten Zehenbereich für einige Tage bestehen – das ist normal und Teil der Wirkung.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠  Starken, zunehmenden Schmerzen im Fussballen nach 48 Stunden

⚠ Rötung, Schwellung oder Eiter an der Einstichstelle am Fuss

⚠ Fieber über 38,0 °C

Wissenschaftliche Referenzen
  • Musson RE et al. Ultrasound guided cryotherapy of forefoot neuromas: a prospective study. Br J Radiol. 2012;85(1019):1258–1261.
  • Provencher MT et al. Cryotherapy for Morton’s neuroma. Foot Ankle Int. 2007;28(4):422–426.
  • Okuno Y et al. Transcatheter arterial embolization for chronic musculoskeletal pain. J Vasc Interv Radiol. 2016.
  • Lopez-Martinez JM et al. Ultrasound-guided cryoablation of Morton’s neuroma: safety and efficacy. J Vasc Interv Radiol. 2018.

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