Kniearthrose behandeln ohne Operation – Gelenksembolisation und Nervenablation in Zürich

Jede Treppe ist ein Test. Lange Spaziergänge sind Erinnerungen. Und nachts zieht es wieder – dieses vertraute, dumpfe Ziehen im Knie, das kaum noch loslässt. Kniearthrose ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen, und für viele Betroffene beginnt irgendwann die Frage: Gibt es noch etwas zwischen «Physiotherapie hilft nicht mehr» und «Knie-TEP»?

Die Antwort lautet: Ja. Die Gelenksembolisation (GAE) und die geniculäre Nervenablation bieten zwei minimal-invasive Optionen, die bei sorgfältig ausgewählten Patienten eine nachhaltige Schmerzlinderung erreichen können.

Was ist Kniearthrose (Gonarthrose)?

Kniearthrose entsteht durch den fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels im Knie. Wenn der Knorpel dünner wird, reiben Knochen auf Knochen – es entstehen Entzündungen, Schmerzen und Steifigkeit. Die Gonarthrose ist die häufigste Form der Arthrose überhaupt und betrifft allein in der Schweiz Hunderttausende von Menschen.

Typische Beschwerden:

Schmerzen beim Gehen, Treppensteigen oder nach längerem Sitzen

Morgensteifigkeit im Knie (bessert sich nach Anlaufen)

Schwellung oder Wärme im Kniegelenk

Knacken oder Reiben im Gelenk

Zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit

Was viele nicht wissen: Arthrose ist keine reine «Verschleisserkrankung». Chronische Entzündung spielt eine zentrale Rolle – insbesondere die Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovitis). Diese Entzündung führt zur Bildung neuer Blutgefässe, die wiederum Schmerzen unterhalten.

Behandlungsoption 1: Geniculäre Arterienembolisation (GAE)

Der biologische Mechanismus – warum GAE wirkt

Bei chronischer Kniearthrose bilden sich in der entzündeten Gelenkinnenhaut (Synovium) und im subchondralen Knochen krankhaft neue, abnorme Blutgefässe – ein Prozess namens pathologische Neovaskularisierung. Diese neu gebildeten Gefässe wachsen nicht allein: Sie bringen gleichzeitig feine Nervenfasern mit (neurovascular ingrowth). Diese Nervenfasern leiten dauerhaft Schmerzsignale zum Gehirn, auch in Ruhe und nachts.

Die GAE setzt genau an diesem Mechanismus an: Unter Röntgenkontrolle wird ein feiner Katheter selektiv bis in die pathologischen Kniearterien geführt. Dort werden Mikropartikel (100–300 Mikrometer) injiziert, die die neu gebildeten, krankhaften Gefässe verschliessen – gezielt und selektiv, während die gesunden Hauptarterien des Knies offen bleiben. Die Entzündungsaktivität sinkt, die Nervenfasern erhalten keinen «Nachschub» mehr, und der Schmerzkreislauf wird unterbrochen.

Der Eingriff – Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

MRI oder Röntgen des Knies zur Arthrosebeurteilung. Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler zum Nachweis der Neovaskularisierung. Nüchternheit für mind. 6h vor dem Eingriff. Blutverdünner in Absprache pausieren.

Zugang und Navigation

Unter örtlicher Betäubung wird eine kleine Punktion in der Leistenarterien (Zugang: ca. 2 mm) angelegt. Ein dünner Katheter (<2 mm Durchmesser) wird unter Röntgendurchleuchtung (Fluoroskopie) präzise zu den Kniearterien navigiert.

Diagnostische Angiographie

Zunächst wird Kontrastmittel injiziert und ein Angiogramm (Gefässdarstellung) angefertigt. Dabei zeigen sich die pathologisch neu gebildeten Gefässe als dichte, blumenkohlförmige Anfärbung («Blush») – exakt an den Stellen, die mit dem Knieschmerz korrelieren.

Selektive Embolisation

Mit einem Mikrokatheter (<1 mm) werden die erkrankten Gefässäste selektiv angesteuert und mit Mikropartikeln verschlossen. Pro Knie werden durchschnittlich 2–3 Arterienäste embolisiert. Gesunde Hauptarterien – einschliesslich der sechs Hauptgeniculararterien, die den Knochen und Knorpel versorgen – bleiben offen.

Sicherheitscheck

Ein abschliessendes Angiogramm bestätigt, dass die pathologischen Gefässe verschlossen sind und die normalen Kniearterien intakt sind.

Dauer

60–90 Minuten. Kurze Überwachungsphase danach.

Nach dem Eingriff

1–3 Tage leichte Schonung, dann normale Alltagsaktivitäten. Erste Besserung oft nach 1–2 Wochen spürbar, maximale Wirkung nach 4–8 Wochen.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Behandlungsoption 2: Geniculäre Nervenablation (Radiofrequenzablation)

Als ergänzendes oder alternatives Verfahren steht die geniculäre Nervenablation zur Verfügung. Die geniculären Nerven sind feine Nervenfasern, die Schmerzsignale aus dem Kniegelenk zum Gehirn weiterleiten. Durch Radiofrequenz-Wärme (~80 °C) werden diese Nervenfasern unter Bildkontrolle gezielt ausgeschaltet.

Wichtig: Die geniculäre Nervenablation ist rein analgetisch – sie unterbricht die Schmerzleitung, verändert aber weder den Entzündungsmechanismus noch die Gelenkstruktur. Sie ist daher oft komplementär zur GAE, nicht konkurrierend.

Diagnostische Blockade – Selektion der richtigen Patienten

Vor der Nervenablation führen wir obligatorisch eine diagnostische Nervenblockade durch: Ein kurzwirksames Lokalanästhetikum wird unter Bildkontrolle an die geniculären Nerven injiziert. Wenn Ihre Schmerzen dadurch um mindestens 50 % abnehmen, bestätigt dies, dass diese Nerven tatsächlich die Schmerzquelle sind – und gibt uns die Gewissheit, dass die Ablation wirksam sein wird. Patienten, die auf die diagnostische Blockade nicht ansprechen, sind keine guten Kandidaten für die Ablation.

Ablauf der Nervenablation

Der Eingriff

Unter Röntgenkontrolle (Fluoroskopie) oder CT-Steuerung. Feine Elektroden werden an die geniculären Nerven platziert. Nach Impedanz- und Stimulationstest (um sicherzustellen, dass motorische Nerven nicht betroffen sind) wird Radiofrequenzwärme (~80 °C, 90 Sekunden) appliziert.

Dauer

30–45 Minuten.

Wirkungsbeginn

Typischerweise 1–2 Wochen nach dem Eingriff – die Zeit, die der Nerv braucht, um zu «deaktivieren».

Wirkungsdauer

12–24 Monate, dann langsame Nervenregeneration. Bei nachlassender Wirkung: Wiederholung möglich.

Was sagt die Wissenschaft (vor allem über die GAE)?

  • Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse (Taslakian et al., Osteoarthritis and Cartilage Open, 2023; 270 Patienten, 9 Studien) zeigt: VAS-Schmerzskala sank im Durchschnitt um 32 Punkte nach 1 Woche und um 58 Punkte nach 2 Jahren – eine Schmerzreduktion von 54 % bzw. 80 %.
  • WOMAC-Scores (Funktion, Steifigkeit, Schmerz) verbesserten sich um 58–85 % über 2 Jahre.
  • Die 2-Jahres-Rate für Knieprothesenimplantation nach GAE: nur 5,2 % – das heisst, über 94 % der Patienten kamen in diesem Zeitraum ohne Prothese aus.
  • Adverse Events: überwiegend minor und selbstlimitierend. Vorübergehende Hautverfärbung (11,6 %), kleines fokales Hautulkus (0,3 %). Keine Osteone­krose, keine Knorpelschädigung – normale Gefässe bleiben intakt.
  • FDA-Breakthrough-Device-Status: Die verwendeten Mikrosphären erhielten von der US-amerikanischen FDA 2023 den Breakthrough-Device-Status – ein Zeichen für das hohe klinische Interesse und die Evidenzlage.
  • Geniculäre Nervenablation: Mehrere randomisierte kontrollierte Studien (u.a. Davis et al., Pain 2018; Cooled RFA) zeigen Schmerzreduktionen von 50–70 % über 6–12 Monate, deutlich überlegen gegenüber diagnostischer Blockade allein.

Für wen geeignet – für wen nicht?

 GEEIGNET FÜR GAE

  • Knieschmerzen durch Gonarthrose (Kellgren-Lawrence Score 1–4), die auf Physiotherapie und Medikamente nicht mehr ausreichend ansprechen
  • Nachgewiesene Neovaskularisierung im Duplex-Ultraschall oder MRI
  • Patienten, die eine Knie-TEP vermeiden oder hinauszögern möchten
  • Patienten mit erhöhtem Operations-Risiko

GEEIGNET FÜR NERVENABLATION

  • Positive diagnostische Nervenblockade (mind. 50 % Schmerzreduktion)
  • Knieschmerz bei sehr fortgeschrittener Arthrose, wo eine Prothese noch nicht gewünscht ist (Brückentherapie)

NICHT ODER EINGESCHRÄNKT GEEIGNET

  • Aktive systemische Entzündungserkrankung im Schub (rheumatoide Arthritis, Psoriasisarthritis)
  • Gelenkinfektionen
  • Floride Durchblutungsstörungen der Beine (schwere PAVK)

FAQ – Kniearthrose

Ja. Die Gelenksembolisation (GAE) wurde speziell für Patienten entwickelt, deren Knieschmerzen trotz Physiotherapie und Injektionen bestehen, die aber für eine Knieprothese noch zu jung oder deren Arthrose noch nicht schwer genug ist. Über 94 % der Patienten in der bisher grössten Metaanalyse benötigten innerhalb von 2 Jahren keine Knieprothese.

Hyaluronsäure-Injektionen bieten eine vorübergehende Linderung (Wochen bis Monate) und müssen regelmässig wiederholt werden. Die GAE hingegen behandelt die Ursache des Schmerzes – pathologische Neugefässe in der entzündeten Gelenkschleimhaut – und zeigt eine Schmerzreduktion, die über 2 Jahre anhält. Die GAE ist ein einmaliger Eingriff und keine Dauerbehandlung.

Die GAE ist keine Alternative zur Knieprothese bei schwerer, endgradiger Arthrose (Kellgren-Lawrence Grad 4 mit Knochen-auf-Knochen-Kontakt). Sie ist aber eine echte Alternative für Patienten mit leichter bis mittelschwerer Arthrose (Grad 1–3), bei denen die Schmerzintensität nicht zur Arthroseschwere passt – ein häufiges klinisches Szenario.

Bei sorgfältig ausgewählten Patienten halten die Ergebnisse in der Regel Monate bis Jahre. Bei besonders starker oder aktiver Entzündung kann eine zweite Embolisation – einige Wochen nach der ersten – die Wirkung vertiefen und verlängern. Die Embolisation kann bei Bedarf grundsätzlich wiederholt werden.

Die sogenannte pathologische Neuvaskularisierung – das unkontrollierte Einwachsen neuer Blutgefässe in entzündetes Gewebe – verläuft nicht allein. Diese Gefässe wachsen stets zusammen mit feinen Nervenfasern ein (neurovascular ingrowth). Diese Nervenfasern leiten dauerhaft Schmerzsignale zum Gehirn weiter, auch ohne dass gerade eine akute Verletzung vorliegt. Die Gelenksembolisation verschliesst gezielt diese krankhaften Gefässe – und damit auch die begleitenden Schmerznerven.

Das zeigt die Bildgebung: Ein Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler oder ein MRI mit Kontrastmittel kann die Neuvaskularisierung im betroffenen Gewebe sichtbar machen. Im Beratungsgespräch bei der IRZ beurteilen wir gemeinsam mit Ihnen die Bildgebung und prüfen, ob eine Gelenksembolisation in Ihrer Situation sinnvoll ist.

Die Gelenksembolisation eignet sich für Patienten mit chronischen Gelenkschmerzen durch Arthrose oder Tendinopathie, die auf konservative Therapien (Physiotherapie, Medikamente, Infiltrationen) nicht ausreichend angesprochen haben und eine Operation vermeiden oder hinauszögern möchten. Nicht geeignet ist sie bei aktiver systemischer Entzündungserkrankung (z.B. rheumatoide Arthritis in Schub), bei sehr fortgeschrittener Arthrose ohne Restknorpel, oder bei Gelenkinfektionen.

Nein – die Gelenksembolisation verändert das Gelenk strukturell nicht. Sie nimmt eine eventuelle spätere Prothese oder Operation weder vorweg noch verhindert sie diese. Sie kann jedoch wertvolle Zeit gewinnen und die Lebensqualität in der Zwischenzeit deutlich verbessern.

Wir empfehlen nach der Gelenksembolisation eine kurze Erholungsphase von 1–3 Tagen, in der Sie das behandelte Gelenk nicht überbelasten sollten. Leichte Aktivitäten und Alltagsbewegungen sind danach erlaubt – und sogar erwünscht, da Bewegung die Regeneration fördert. Intensive sportliche Belastung sollte für 2–3 Wochen pausiert werden.

Die GAE wirkt auf den Entzündungsmechanismus – sie verschliesst die krankhaften Blutgefässe, die die Entzündung und den Schmerz unterhalten. Die Nervenablation blockiert die Schmerzleitung aus dem Knie, ohne die Entzündung selbst zu behandeln. Beide Verfahren können miteinander kombiniert werden. Welches für Sie geeignet ist, besprechen wir im Beratungsgespräch anhand Ihrer Bildgebung und Beschwerden.

Typischerweise 12–18 Monate, da sich die Nervenfasern nach dieser Zeit langsam regenerieren. Wenn die Wirkung nachlässt, kann die Nervenablation problemlos wiederholt werden.

Kortison wirkt rasch entzündungshemmend, aber kurzfristig – in der Regel einige Wochen. Bei wiederholtem Einsatz verliert Kortison an Wirkung und kann das Knorpelgewebe langfristig schädigen. Die GAE zielt auf den strukturellen Treiber der Entzündung – die Neuvaskularisierung – und hat das Potenzial einer nachhaltigeren Wirkung über Monate bis Jahre. Zudem kann sie beliebig oft wiederholt werden.

Nach der Gelenksembolisation kann die behandelte Region in den ersten 24–48 Stunden etwas wärmer, leicht geschwollen oder druckempfindlicher sein als zuvor – das ist eine normale Entzündungsreaktion auf die Embolisation und klingt rasch ab. Gelegentlich zeigt sich eine vorübergehende Hautverfärbung (leicht bläulich bis gelblich) an der Haut über dem Gelenk – auch dies ist harmlos und bildet sich zurück.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Starker Rötung, zunehmender Wärme und Schwellung des Kniegelenks (mögliche Infektion oder Gelenkreizung)

⚠ Fieber über 38,0 °C in Kombination mit Knieschmerzen

⚠ Hautgeschwür oder offener Bereich an der Haut über dem Knie (seltene Komplikation: kutane Ischämie)

⚠ Rötung, Schwellung oder Eiter an der Einstichstelle (Leiste)

Wissenschaftliche Referenzen
  • Taslakian B et al. GAE for treatment of knee OA pain: systematic review and meta-analysis. Osteoarthr Cartil Open. 2023;5:100342.
  • Epelboym Y et al. Genicular artery embolization as treatment for OA knee pain: systematic review and meta-analysis. Cardiovasc Intervent Radiol. 2023;46(6):760–769.
  • Okuno Y et al. Transcatheter arterial embolization for knee pain associated with mild-moderate OA. J Vasc Interv Radiol. 2017;28(7):995–1002.
  • Padia SA et al. Genicular artery embolization for knee OA: initial results from a prospective trial. J Vasc Interv Radiol. 2021.
  • Davis T et al. Cooled radiofrequency ablation of the genicular nerves for knee OA pain. Pain. 2018;159(5):884–896.
  • Mata LA et al. Genicular nerve radiofrequency ablation for knee OA: systematic review. Pain Med. 2022;23(5):891–903.

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