Pelvic Congestion Syndrom behandeln – Ovarialvenenembolisation in Zürich

Ein ständiges, dumpfes Druckgefühl im Unterleib. Schmerzen, die nach langem Stehen oder Sitzen zunehmen. Ein Ziehen, das nach dem Geschlechtsverkehr stundenlang anhält. Sichtbare Venenzeichnungen an der Oberschenkelinnenseite oder im Schambereich. Und trotzdem: «Wir finden nichts» – so lautet die frustrierende Antwort, die viele betroffene Frauen jahrelang erhalten.

Das Pelvic Congestion Syndrom ist eine häufige, aber systematisch übersehene Erkrankung. Dabei ist sie gut diagnostizierbar – und sehr gut behandelbar.

Was ist das Pelvic Congestion Syndrom?

«Das PCS entsteht, wenn Venen im Becken insuffizient werden – also ihre Klappenfunktion verlieren – und das Blut sich zurückstaut. Betroffen sein können die Ovarialvenen (gonadale Venen), die Äste der inneren Beckenvenen (V. iliaca interna, inkl. Uterusvenen und V. obturatoria) oder eine Kombination beider Systeme. Je nachdem, welches Venensystem betroffen ist, unterscheidet sich auch der Behandlungsansatz.

Häufige Ursachen und begünstigende Faktoren:

  • Schwangerschaften: Das erhöhte Blutvolumen und hormonelle Veränderungen führen zur Erweiterung der Beckenvenen, die sich nach der Schwangerschaft nicht immer vollständig zurückbildet.
  • May-Thurner-Anatomie: Bei der May-Thurner-Variante komprimiert die rechte Beckenarterie (A. iliaca communis dextra) die linke Beckenvene (V. iliaca communis sinistra) von aussen gegen den Wirbelkörper. Dieser chronische Stau begünstigt eine Druckerhöhung im gesamten linken Beckenvenengebiet – was zu PCS führen kann, auch ohne eine klassische Venenthrombose. Die Behandlung ist in diesem Fall eine Stentimplantation in die komprimierte Vene.
  • Bindegewebsschwäche: Hormonsensitive Gefässwände, die zu Erweiterungen neigen.»

Typische Symptome des PCS:

Chronischer, dumpfer Schmerz im Unterleib, der links oder beidseitig betont sein kann

Zunahme der Schmerzen nach langem Stehen, Sitzen oder körperlicher Belastung

Schmerzen oder Unbehagen nach Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)

Gefühl von Schwere oder Fülle im Becken

Sichtbare Krampfadern im Schamlippenbereich, Oberschenkelinnenseite oder an der Rückseite der Oberschenkel

Die Diagnose wird durch transvaginalen oder transabdominellen Ultraschall mit Duplex-Sonographie oder MRI Phlebographie des Beckens gestellt. In unklaren Fällen kann eine diagnostische / invasive Phlebographie (Venendarstellung mit Kontrastmittel) durchgeführt werden.

Behandlung 1: Ovarialvenenembolisation

Die Embolisation der insuffizienten Ovarialvenen ist die Standardtherapie des PCS. Sie verschliesst den retrograden Blutfluss dauerhaft und beseitigt die Quelle des venösen Staus.

Ablauf Schritt für Schritt

Vorbereitung

MRI oder Duplex-Ultraschall des Beckens. Nüchternheit (4 Stunden). Leichte Sedierung. Ambulant.

Venöser Zugang

Über eine kleine Punktion in der Leistenvene (V. femoralis communis) oder alternativ über die Halsvene (V. jugularis) wird ein dünner Katheter eingeführt.

Diagnostische Phlebographie

Der Katheter wird unter Röntgenkontrolle selektiv in die linke und rechte Ovarialvene eingeführt. Kontrastmittelinjektion zeigt das Ausmass der Insuffizienz und der Verbindung mit den Beckenvenen.

Embolisation

Mit einem (Mikro)katheter werden die insuffizienten Ovarialvenen von oben nach unten systematisch mit Metallspiralen (Coils) und/oder sklerosierendem Schaum verschlossen. Die Coils aus Nitinol oder medizinischem Edelstahl sind permanent, biokompatibel und MRI-kompatibel.

Innere Beckenvenen

Wenn die Phlebographie insuffiziente Äste der V. iliaca interna zeigt, werden auch diese superselektiv embolisiert – technisch anspruchsvoller, da die Anatomie sehr variabel ist.

Abschlusskontrolle

Abschlussphlebographie bestätigt vollständigen Verschluss der Zielvenen.

Dauer

45–75 Minuten. Ambulant – gleicher Tag nach Hause.

Behandlung 2: Stentimplantation bei May-Thurner-Anatomie

Wenn die Bildgebung eine May-Thurner-Kompression der linken Beckenvene nachweist, ist ein Venenstent die geeignete Therapie. Der Stent hebt die Kompression dauerhaft auf und normalisiert den venösen Abfluss aus dem gesamten linken Beckenvenengebiet. In vielen Fällen wird der Stent in derselben Sitzung wie die Ovarialvenenembolisation implantiert.

Stentimplantation Schritt für Schritt

Phlebographie

Darstellung der Beckenvenen und Bestätigung der Kompression.

Crossing

Mit Führungsdraht und Katheter wird die Kompressionsstelle passiert.

Prädilation

Ein Ballon wird an der Kompressionsstelle aufgeblasen (Ballonangioplastie), um die Vene zu öffnen.

Stentdeployment

Ein grosser, selbstexpandierender Venenstent (typischerweise 14–18 mm Durchmesser, ausreichend für die Beckenvene) wird über den Führungsdraht eingebracht und entfaltet sich präzise an der Kompressionsstelle.

Abschlusskontrolle

Venographie bestätigt freien Abfluss.

Antikoagulation nach Stent

Wird individuell mit Ihrem Angiologen/Hämatologen festgelegt.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Was sagt die Wissenschaft?

  • Gavrilov SG et al. (Phlebology, 2020; Systematischer Review, 1,308 Patientinnen): Embolisation der Beckenvenen führte bei 75–85 % der Patientinnen zu einer signifikanten Reduktion der Beckenschmerzen. Über 5 Jahre blieben 70 % der behandelten Patientinnen beschwerdefrei oder deutlich gebessert.
  • Kim HS et al. (J Vasc Interv Radiol, 2006): Technische Erfolgsrate der Ovarialvenenembolisation: 99 %. Klinisches Ansprechen nach 12 Monaten bei 83 % der Patientinnen.
  • Raju S, Neglen P (J Vasc Surg, 2006): Iliakalvenenstenosen (May-Thurner) finden sich bei bis zu 25 % der Bevölkerung, verursachen aber nur bei venösem Reflux und klinischen Symptomen eine Behandlungsindikation. Nach Stentimplantation: kumulative Offenheitsrate nach 5 Jahren 79–90 %.
  • O’Sullivan G et al. (CVIR Endovasc, 2023): Venöse Stentimplantation bei iliakalem Kompressionssyndrom zeigt 5-Jahres-Offenheitsraten von > 80 % mit modernen selbstexpandierenden Venenstents.
  • CIRSE Standards of Practice: Die Embolisation bei PCS ist als evidenzbasierte, anerkannte Therapieoption in den internationalen Guidelines verankert.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Frauen mit chronischen Beckenschmerzen und bildgebend nachgewiesenen erweiterten Ovarialvenen
  • Frauen mit vulvo-vaginalen Krampfadern oder Krampfadern am Oberschenkel infolge eines PCS
  • Als Rezidivprophylaxe nach Behandlung vulvo-vaginaler Varizen
Nicht geeignet
  • Erweiterte Beckenvenen ohne jegliche Beschwerden (hier ist eine Therapie in der Regel nicht indiziert – ausser zur Rezidivprophylaxe bei Krampfadern)

FAQ – Pelvic Congestion Syndrom

Ja. Chronische Beckenschmerzen bei Frauen werden häufig ausschliesslich gynäkologisch abgeklärt. Das Pelvic Congestion Syndrom (PCS) – verursacht durch insuffiziente Beckenvenen – wird dabei oft übersehen. Wenn gynäkologische Abklärungen unauffällig bleiben, sollte eine venöse Ursache in Betracht gezogen werden.

Die Embolisation der Ovarialvenen gilt heute als Therapie der Wahl bei PCS. Sie erfolgt oftmals ambulant über einen kleinen Zugang in der Leiste oder am Hals, ohne Vollnarkose. Chirurgische Eingriffe (laparoskopische Venenligatur) werden seltener durchgeführt, da sie invasiver sind und keinen nachgewiesenen Vorteil in der Erfolgsrate bieten.

Die Spiralen (Coils) bestehen aus medizinischem Edelstahl oder Nitinol – einem biokompatiblen, körperverträglichen Metall, das auch in Herzschrittmachern und orthopädischen Implantaten verwendet wird. Sie bleiben dauerhaft in den behandelten Venen und werden vom Körper in eine Bindegewebskapsel eingeschlossen. Sie sind vollständig inert, verursachen keine Beschwerden und sind MRI-kompatibel.

Die meisten Patientinnen berichten bereits wenige Tage nach dem Eingriff über eine spürbare Verbesserung. Das vollständige Ergebnis zeigt sich meist nach wenigen Wochen.

Generell nein – erweiterte Beckenvenen ohne Schmerzen oder andere Symptome sind kein Behandlungsgrund. Eine Ausnahme bildet die Rezidivprophylaxe: Wenn Sie an Krampfadern im vulvo-vaginalen Bereich oder an den Beinen leiden, die durch ein PCS entstanden sind, kann die Embolisation sinnvoll sein, um ein Wiederauftreten nach Behandlung dieser Krampfadern zu verhindern.

Nein. Die Embolisation der Ovarialvenen hat in Studien keinen negativen Einfluss auf die Eierstockfunktion oder die Fruchtbarkeit gezeigt. Die Eizellversorgung erfolgt über andere Gefässe, die beim Eingriff nicht betroffen sind.

In den meisten Fällen ist das Ergebnis dauerhaft. Wenn sich nach Monaten oder Jahren neue erweiterte Venen bilden sollten, kann die Embolisation problemlos wiederholt werden.

Beide können PCS-Beschwerden verursachen, sind aber anatomisch unterschiedlich. Die Ovarialvenen drainieren die Eierstöcke und die obere Gebärmutter – sie sind die am häufigsten betroffenen Venen beim PCS. Die Äste der inneren Beckenvenen (V. iliaca interna) drainieren dagegen die untere Gebärmutter, Blase, Rektum und Beckenbodenstrukturen. Beide Systeme können gleichzeitig insuffizient sein. Eine Beckenphlebographie – eine bildgebende Darstellung der Beckenvenen – hilft, das betroffene System präzise zu identifizieren und die Behandlung gezielt zu planen. Bei der IRZ werden immer während dem Eingriff beide Systeme auf Insuffizienzen untersucht.

Beim May-Thurner-Syndrom drückt die rechte Beckenarterie auf die linke Beckenvene und engt sie von aussen ein. Das erschwert den venösen Rückfluss aus dem gesamten linken Beckenvenengebiet – auch aus den Ovarialvenen und den Uterusvenen. Der resultierende Venenstau kann PCS-typische Schmerzen verursachen, ohne dass eine Thrombose vorhanden sein muss. Wenn bei der Diagnostik eine May-Thurner-Anatomie nachgewiesen wird, ist eine Stentimplantation in die komprimierte Vene die geeignete Therapie – manchmal in Kombination mit einer Ovarialvenenembolisation.

Das hängt von der genauen Ursache des venösen Staus ab. Wenn die Ovarialvenen oder inneren Beckenvenen primär insuffizient sind, ist die Embolisation die Methode der Wahl. Wenn eine May-Thurner-Anatomie den Abfluss behindert, ist ein Venenstent in die komprimierte Beckenvene notwendig.

Ja. Das PCS ist eine klinisch und bildgebend definierte Erkrankung, für die die internationale Fachgesellschaft CIRSE (Cardiovascular and Interventional Radiological Society of Europe) Standards of Practice zur Diagnose und Behandlung veröffentlicht hat. Leider wird es in der Praxis noch häufig übersehen oder fehldiagnostiziert.

Nach der Ovarialvenenembolisation ist leichter Unterbauchschmerz für 1–3 Tage normal. Bei Stentimplantation (May-Thurner) sind Druckgefühl in der Leiste und leichte Schwellung im Bein möglich.

Normal und zu erwarten:

  • Ziehende Schmerzen im Unterleib für 1–3 Tage
  • Leichtes Druckgefühl an der Einstichstelle (Leiste) für einige Tage

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Starker Schwellung eines Beines, plötzlicher Schmerzzunahme im Bein oder Atemnot (Anzeichen einer Thrombose oder Lungenembolie)

⚠ Fieber über 38,5 °C

⚠ Rötung, Schwellung oder Eiter an der Einstichstelle

⚠ Sehr starken, anhaltenden Unterleibsschmerzen

Wissenschaftliche Referenzen
  • Gavrilov SG et al. Ovarian vein embolization: systematic review and meta-analysis. Phlebology. 2020;35(7):474–482.
  • Kim HS et al. Embolotherapy for pelvic congestion syndrome: long-term results. J Vasc Interv Radiol. 2006;17(2):289–297.
  • Raju S, Neglen P. High prevalence of nonthrombotic iliac vein lesions in chronic venous disease. J Vasc Surg. 2006;44(1):136–143.
  • O’Sullivan G, Smith S. Venous stenting for iliac vein obstruction and May-Thurner syndrome. CVIR Endovasc. 2023;6:14.
  • Kashef E, Tsitskari M. Interventional radiology in women’s health. CVIR Endovasc. 2023;6:30.

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