Bauchwandendometriose behandeln
Cryoablation als Alternative zur Operation

Ein Schmerz in einer alten Kaiserschnittnarbe oder einer anderen Bauchwandnarbe, der mit der Menstruation zunimmt und in einem bestimmten Punkt immer stärker wird. Manchmal ist dort auch ein tastbarer Knoten. Das klingt ungewöhnlich – ist es aber nicht: Bauchwandendometriose ist eine anerkannte, wenn auch häufig spät diagnostizierte Erkrankung.

Und sie lässt sich heute behandeln, ohne dass die Narbe erneut operativ aufgeschnitten werden muss.

Was ist Bauchwandendometriose?

Bauchwandendometriose bezeichnet das Auftreten von Endometriosegewebe in der Bauchwand – am häufigsten in oder nahe einer vorbestehenden Narbe, oft nach einem Kaiserschnitt oder einer Bauchspiegelung. Das fehlgeleitete Gewebe reagiert wie innerhalb der Gebärmutter auf den Zyklus: Es schwillt an, blutet und verursacht Schmerzen, die zyklusabhängig zu- und abnehmen.

Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, Ultraschall und MRI. Eine bildgesteuerte Biopsie zur histologischen Bestätigung ist vor der Behandlung in der Regel sinnvoll.

Typische Zeichen der Bauchwandendometriose:

Zyklusabhängiger Schmerz an einer Bauchwandnarbe

Tastbarer, manchmal sichtbarer Knoten in oder unter der Narbe

Schmerzzunahme in der Woche vor und während der Menstruation

Verfärbung oder Schwellung der Narbe während der Periode

Cryoablation – Behandlung durch gezielte Vereisung

Die Cryoablation ist die minimal-invasive Methode der Wahl bei Bauchwandendometriose. Unter Ultraschallkontrolle wird eine dünne Cryosonde (Gefriersonde) direkt in den Endometrioseherd eingeführt. Dort wird das Gewebe auf unter –120 °C abgekühlt und dadurch gezielt zerstört.

Ablauf Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

MRI und ggf. Ultraschall zur Lokalisation. Histologische Sicherung (Biopsie) empfohlen. Sie sollten nüchtern erscheinen (mind. 6 Stunden kein Essen, 2 Stunden kein Wasser). Blutverdünner in Rücksprache pausieren.

Lagerung

Rücklage. Die Bauchwand wird mit Ultraschall genau kartiert – die Ausdehnung des Endometrioseherds dreidimensional gemessen und dokumentiert.

Lokalanästhesie

Haut, Subkutangewebe und die Faszie über dem Herd werden betäubt. Kälte wirkt zudem selbst analgetisch.

Hydro– oder Pneumodissektion – Schutz der Nachbarorgane

Bei Herden, die nahe an Darm, Blase oder grossen Gefässen liegen, wird Kochsalzlösung oder CO2 zwischen Herd und benachbarte Struktur injiziert. Dieser Polster schützt nicht-zielorgan­gewebe vor dem Eisball.

Sondenplatzierung

Unter kontinuierlicher Ultraschall- oder CT-Kontrolle wird die Kryosonde durch eine minimale Hautöffnung (< 3 mm) in die Mitte des Endometrioseherds eingeführt. Bei grossen Herden (> 3 cm) werden 2–4 Sonden parallel platziert, um den gesamten Herd zu erfassen.

Gefrierzyklus 1 (10 Minuten)

Der Eisball wächst kontrolliert um den Herd. Im Ultraschall ist er als echoreiche Zone direkt sichtbar. Der Arzt steuert das Wachstum aktiv und bestätigt vollständige Erfassung des Herds mit Sicherheitsrand.

Aktives Auftauen (8 Minuten)

Das aufgetaute Gewebe ist für den zweiten Zyklus deutlich empfindlicher

Gefrierzyklus 2 (10 Minuten)

Zweites Gefrieren für maximale und dauerhafte Zerstörung des Endometriosegewebes.

Sondenentfernung und Abschluss

Sonde entfernt, kleine Hautöffnung mit Pflaster versorgt. Kein Stich, kein Faden.

Dauer

20–45 Minuten je nach Herdgrösse. Ambulant oder mit 1-2 Übernachtungen.

Nach dem Eingriff

Der Herd wird in den folgenden Tagen hart (reaktive Entzündung und Ödem) – das ist normal. Über 4–6 Wochen beginnt er zu erweichen und zu schrumpfen. Vollständiger Abbau nach 3–6 Monaten.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt mit allen Anweisungen für vor und nach dem Eingriff.

Was passiert nach dem Eingriff mit dem Gewebe?

Die Kälte zerstört das Endometriosegewebe durch Eiskristallbildung in den Zellen. Der Körper reagiert darauf mit einer lokalen Entzündungsreaktion und baut das abgestorbene Gewebe schrittweise ab. Nach einigen Monaten bleibt eine inerte Narbenplatte zurück – deutlich kleiner als der ursprüngliche Herd. Der zyklusabhängige Schmerz verschwindet in den meisten Fällen vollständig.

Was sagt die Wissenschaft?

  • Kaça do Carmo LH et al. (Br J Radiol, 2025; Systematischer Review und Meta-Analyse): Perkutane Kryoablation der Bauchwandendometriose zeigte eine technische Erfolgsrate von > 95 %. Schmerzfreiheit oder deutliche Schmerzreduktion wurde bei 87–94 % der Patientinnen erzielt. Rezidivrate: 8–12 % innerhalb von 24 Monaten – bei Rezidiv erneute Kryoablation möglich.
  • Barat M et al. (Diagn Interv Imaging, 2024): Vergleich perkutane Ablation vs. chirurgische Resektion bei Bauchwandendometriose. Vergleichbare Erfolgsraten, aber signifikant weniger Morbidität bei der Ablation: kürzere Hospitalisation, weniger Komplikationen, kein Narbenhernie-Risiko.
  • Razakamanantsoa L et al. (CVIR Endovasc, 2024; Systematischer Review): Perkutane bildgesteuerte Ablation ist bei korrekt selektionierten Patientinnen mit Bauchwandendometriose eine valide, sichere Alternative zur Chirurgie.
  • Komplikationsrate: Sehr gering. Kein Bericht über schwerwiegende Komplikationen (keine Darmperforation, keine Blasenverletzung) bei korrekter Bildgebungsplanung und Hydro- oder Pneumo

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Frauen mit histologisch gesicherter Bauchwandendometriose
  • Singuläre oder wenige, gut lokalisierte Herde
  • Frauen, die eine erneute Operation an der Narbe vermeiden möchten
Nicht geeignet
  • Herde, die im Bauchraum selbst liegen und von Darmstrukturen umgeben sind
  • Malignitätsverdacht
  • Keine histologische Sicherung möglich

FAQ – Bauchwandendometriose

Nein. Die chirurgische Exzision war bisher der Standard, birgt aber Risiken wie Narbenhernie und erneute Narbenbildung – besonders problematisch, da Bauchwandendometriose häufig in Operationsnarben entsteht. Die perkutane Cryoablation ist eine minimal-invasive Alternative: Unter Bildgebung wird der Herd gezielt vereist, ohne Schnitt und mit deutlich weniger Morbidität.

Unmittelbar nach dem Eingriff verhärtet sich der behandelte Knoten typischerweise und kann für einige Tage bis wenige Wochen leichte Schmerzen verursachen. Nach etwa 4–6 Wochen beginnt der Knoten weicher zu werden und der Schrumpfungsprozess setzt ein. Die zyklusabhängigen Schmerzen, die vor der Behandlung bestanden, verschwinden mit dem Abbau des Gewebes.

Das Gewebe stirbt durch die extreme Kälte ab. Der Körper erkennt dieses abgestorbene Gewebe und reagiert mit einer Entzündungsreaktion, durch die es sukzessive abgebaut wird. Nach einigen Monaten bleibt eine kleine, inerte Narbenplatte übrig – vollständig inaktiv und in der Regel nicht mehr schmerzhaft.

Diese Therapie ist noch verhältnismässig jung, und bisher verfügen nur wenige Zentren über die notwendige Expertise und Infrastruktur. Spezialisten in diesem Bereich haben häufig bereits seit Jahren Erfahrung mit der Behandlung anderer Bauchwanderkrankungen (z.B. Tumorablationen) und haben diese Technik auf die Endometriose übertragen. Das Wissen um diese Möglichkeit ist bei Gynäkologinnen und Gynäkologen noch nicht flächendeckend verbreitet – wir sehen unsere Aufgabe auch darin, hier Aufklärungsarbeit zu leisten.

In der Regel genügt eine einzige Sitzung. Bei grossen oder multiplen Herden kann eine zweite Cryoablation nach einigen Wochen bis Monaten sinnvoll sein.

Eine histologische Sicherung der Diagnose ist vor der Behandlung empfehlenswert. Die Biopsie ist ebenfalls ein bildgesteuerter, minimal-invasiver Eingriff, der ambulant und manchmal in derselben Sitzung wie die Cryoablation durchgeführt werden kann.

Wenn der Herd vollständig behandelt wurde, ist das Rückfallrisiko gering. Eine regelmässige Nachsorge mit klinischer Kontrolle und Ultraschall ist dennoch empfohlen, um ein mögliches Wiederauftreten frühzeitig zu erkennen.

Nach der Cryoablation wird der behandelte Bereich in den ersten Tagen vorübergehend härter und kann leicht schmerzen – das ist die erwartete Reaktion des Gewebes auf die Kältebehandlung. Die Verhärtung nimmt über Wochen ab.

Normal und zu erwarten:

  • Leichte Schwellung, Rötung und Druckgefühl an der Behandlungsstelle für 1–5 Tage
  • Verhärtung des Gewebes für einige Wochen (der Körper baut das abgestorbene Gewebe ab)

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Zunehmender Rötung, Wärme oder Schwellung an der Einstichstelle – insbesondere wenn sich Eiter bildet

⚠ Fieber über 38,5 °C

⚠ Starken, zunehmenden Schmerzen in den Tagen nach dem Eingriff (statt abnehmendem Schmerz)

Wissenschaftliche Referenzen
  • Kaça do Carmo LH et al. Percutaneous cryoablation therapy for abdominal wall endometriosis: systematic review and meta-analysis. Br J Radiol. 2025;98:345.
  • Barat M et al. Surgical and percutaneous image-guided therapies of abdominal wall endometriosis. Diagn Interv Imaging. 2024;105:87–96.
  • Razakamanantsoa L et al. Percutaneous ablation of abdominal wall endometriosis: systematic review. CVIR Endovasc. 2024.

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