Perkutane transhepatische Cholangiodrainage (PTCD) in Zürich

Wenn die Galle nicht mehr abfliessen kann, lagert sich Bilirubin im Blut ab – die Haut färbt sich gelb, die Augen werden gelblich, der Urin dunkel, der Stuhl hell. Dieses Bild – der Verschlussikterus – entsteht, wenn ein Gallengang von innen (Gallenstein, Narbe) oder von aussen (Tumor) blockiert ist. Unbehandelt schädigt der Gallenstau die Leber irreversibel und kann zu einer lebensgefährlichen Gallenganginfektion (Cholangitis) führen.

Die perkutane transhepatische Cholangiodrainage (PTCD) schafft durch die Haut und die Leber einen direkten, bildgesteuerten Zugang zum blockierten Gallengangssystem.

Was ist die PTCD?

Bei der PTCD wird unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle eine dünne Nadel durch die Haut, den Rippenbogen und das Lebergewebe direkt in einen erweiterten Gallengang eingeführt. Über die Nadel wird zunächst Kontrastmittel injiziert (Cholangiographie), um das Gallengangssystem darzustellen und die Ursache der Blockade zu lokalisieren. Anschliessend wird ein Drainagekatheter platziert, der die Galle nach aussen ableitet.

Häufige Indikationen für eine PTCD:

  • Maligner Gallengangsverschluss durch Pankreaskopfkarzinom, cholangiozelluläres Karzinom (CCC), Lebermetastasen oder Lymphknotenmetastasen
  • Gutartiger Gallengangsverschluss nach Operation (Gallengangsnarbe nach Cholezystektomie, Lebertransplantation)
  • Gescheiterte endoskopische Therapie (ERCP nicht erfolgreich oder nicht möglich)
  • Gallengangsinfektion (akute Cholangitis) mit nicht drainiertem Obstruktionsstau
  • Vorbereitung auf Chemotherapie oder Operation bei maligner Obstruktion

Der Eingriff – Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

Ultraschall und/oder CT/MRI (MRCP) der Leber und Gallengänge zur Planung. Laborwerte (Blutbild, Gerinnung, Leberwerte, Bilirubin). Nüchternheit (mind. 4–6 Stunden). Antibiotikaprophylaxe. Gerinnungskorrekturen bei Bedarf.

Lagerung

Sie liegen auf dem Rücken oder leicht auf der Seite. Der rechte Rippenbogen wird desinfiziert und steril abgedeckt.

Cholangiographie – Darstellung der Gallengänge

Unter Ultraschallkontrolle wird ein erweiterter Gallengang punktiert. Kontrastmittel wird injiziert und unter Röntgen-Fluoroskopie werden die Gallengänge dreidimensional dargestellt. Die Ursache und das Ausmass der Blockade werden präzise lokalisiert.

Externe Drainage

Zunächst wird ein Drainagekatheter platziert, der die Galle nach aussen in einen Beutel ableitet (externe Drainage). Dies entlastet sofort den Gallendruck und bessert den Ikterus.

Interne Drainage oder Stent (zweiter Schritt)

In einer zweiten Sitzung – meist nach 2–7 Tagen, wenn der Patient stabilisiert ist und die Gallengänge weniger entzündet sind – wird ein interner Stent (Metallstent oder Kunststoffstent) platziert. Ein Metallstent hält den Gallengang dauerhaft offen; der PTCD-Katheter kann danach entfernt werden. Die Galle fliesst dann wieder auf natürlichem Weg in den Dünndarm ab.

Dauer

45–90 Minuten je nach Komplexität.

Stationär oder ambulant

Ein stationärer Aufenthalt von 1–3 Tagen ist bei einer PTCD in der Regel sinnvoll, insbesondere bei Cholangitis oder maligner Obstruktion.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt. Die PTCD wird immer im interdisziplinären Kontext mit Gastroenterologie, Chirurgie oder Onkologie geplant.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Maligner oder benigner Gallengangsverschluss mit Ikterus oder Cholangitis
  • Gescheiterte oder nicht mögliche endoskopische Drainage (ERCP)
  • Vorbereitung auf Chemotherapie oder Operation
  • Akute Cholangitis als Notfallindikation
Nicht geeignet
  • Nicht korrigierbare Gerinnungsstörungen
  • Massiver Aszites (erhöhtes Blutungsrisiko – relative Kontraindikation, ggf. Aszites-Drainage zuerst)

FAQ – PTCD

Bei der ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie) wird der Gallengang von unten – über den Mund, den Magen und den Dünndarm – endoskopisch erreicht. Das ist der bevorzugte Weg, wenn anatomisch möglich. Wenn die ERCP scheitert (z.B. nach Magenoperation, bei hohem Tumorsitz oder sehr enger Stenose), ist die PTCD der nächste Schritt: sie erreicht die Gallengänge von aussen durch die Haut und die Leber.

Wenn ein innerer Stent erfolgreich platziert werden kann, wird der externe PTCD-Katheter entfernt. Falls dies technisch nicht möglich ist – z.B. bei sehr komplexer Anatomie oder sehr weit fortgeschrittenem Tumor – kann der externe Katheter dauerhaft verbleiben. Wir schulen Sie und Ihre Angehörigen in der Handhabung des Katheters und des Auffangbeutels.

Generell Ja – nach erfolgreicher Drainage sinkt der Bilirubin-Wert in den meisten Fällen innerhalb von 3–7 Tagen deutlich. Haut und Augen werden wieder klarer, Müdigkeit und Juckreiz nehmen ab. Es kann Wochen dauern, bis der Bilirubin-Wert vollständig normal ist.

Der Eingriff wird unter Dämmerschlaf (Analgosedation) oder Vollnarkose durchgeführt. Das Einstechen durch die Leber kann kurz ein Druckgefühl oder einen Ziehschmerz verursachen, der aber rasch abklingt. Nach dem Eingriff sind leichte Schmerzen im Bereich der Punktionsstelle für ein paar Tage normal.

Ja – häufig ist die Gallengangsdrainage sogar Voraussetzung, damit eine Chemotherapie begonnen werden kann. Ein zu hoher Bilirubin-Wert verhindert den Einsatz vieler Chemotherapeutika. Die PTCD und die anschliessende Normalisierung der Leberwerte schaffen oft erst die Grundlage für die weitere onkologische Behandlung.

Leichte Rötung an der Einstichstelle und etwas blutigen Abfluss für 1–2 Tage sind normal.

Bitte kontaktieren Sie uns oder die Notaufnahme umgehend bei:

⚠ Fieber über 38,0 °C mit Schüttelfrost (mögliche Cholangitis)

⚠ Starker Schmerzzunahme im rechten Oberbauch

⚠ Gelbfärbung, die trotz Drainage zunimmt

⚠ Rötung oder Eiter an der Kathetereinstichstelle

Wissenschaftliche Referenzen
  • Covey AM et al. Percutaneous biliary drainage: technical and clinical management. Radiol Clin North Am. 2015;53(5):1119–1135.
  • Chandrashekhara SH et al. Percutaneous biliary interventions through the gastrohepatic approach. AJR Am J Roentgenol. 2012.
  • Winick AB et al. Clinical and radiological outcome in patients treated with percutaneous biliary drainage. J Vasc Interv Radiol. 2004.
  • Saad WE et al. Quality improvement guidelines for percutaneous transhepatic cholangiography, biliary drainage, and percutaneous cholecystostomy. J Vasc Interv Radiol. 2010;21(6):789–795.

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