Adenomyose – Schmerzen, die mehr als nur «Mens» sind

Extreme Regelschmerzen, so stark, dass Schmerzmittel kaum helfen. Blutungen, die wochenlang dauern und so stark sind, dass der Alltag kaum zu bewältigen ist. Ein aufgeblähtes, hartes und schmerzhaftes Gefühl in der Gebärmutter – Monat für Monat. Und doch dauert es im Durchschnitt sieben bis zehn Jahre, bis die Diagnose Adenomyose gestellt wird.

Die gute Nachricht: Es gibt heute wirksame Behandlungen, die die Gebärmutter erhalten – ohne grosses Skalpell, ohne Vollnarkose.

Was ist Adenomyose?

Adenomyose ist eine Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) in die Muskelwand der Gebärmutter (Myometrium) einwächst. Dieses fehlgeleitete Gewebe reagiert jeden Monat auf die Hormonschwankungen des Zyklus: Es entzündet sich, blutet und verursacht Beschwerden.

Typische Symptome der Adenomyose:

Extreme Dysmenorrhoe (Regelschmerzen), oft bereits Tage vor der Periode beginnend

Menorrhagie (sehr starke und/oder verlängerte Blutungen)

Eine vergrösserte, aufgequollene Gebärmutter

Chronischer Unterbauchschmerz

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)

Adenomyose wird zuverlässig durch ein MRI der Gebärmutter diagnostiziert – der Ultraschall kann erste Hinweise geben, ist aber weniger spezifisch.

Behandlungsoptionen der interventionellen Radiologie

Lange galt die Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) als einzige dauerhafte Lösung. Heute bietet die interventionelle Radiologie wirksame, gebärmuttererhaltende Alternativen:

Uterusarterienembolisation (UAE)

Die UAE – bekannt aus der Myombehandlung – ist auch bei Adenomyose wirksam: Sie unterbricht die Blutversorgung des adenomyotischen Gewebes, was zu einer Reduktion der Entzündungsaktivität und der Beschwerden führt. Mehrere Studien zeigen, dass besonders Patientinnen mit starken Blutungen gut von der UAE profitieren. Der Ablauf ist identisch zur Myomembolisation: ambulant oder mit einer Übernachtung, unter örtlicher Betäubung, 60–90 Minuten.

HIFU – hochintensiver fokussierter Ultraschall

HIFU (High-Intensity Focused Ultrasound) ist eine der faszinierendsten Methoden der interventionellen Radiologie: Gebündelte Ultraschallwellen erhitzen das kranke Gewebe auf über 60 °C und zerstören es thermisch – ohne Nadel, ohne Schnitt, komplett von aussen durch die Bauchdecke. Die Behandlung erfolgt in einem speziellen MRI-Gerät, das gleichzeitig die Behandlung steuert und überwacht (MR-geführter HIFU). HIFU ist besonders geeignet für fokale Adenomyosen ohne begleitende Myome.

Vorbereitung und Nachsorge (identisch zu Myomembolisation)

Vor dem Eingriff: MRI der Gebärmutter zur Diagnosebestätigung und Therapieplanung. Blutverdünner in Absprache pausieren. Nüchternheit (mind. 6 Stunden).

Nach dem Eingriff: Post-Embolisations-Syndrom für 2–7 Tage (Krämpfe, ev. leichtes Fieber). Arbeitsfähigkeit meist nach 7–10 Tagen. Nachsorge-Kontrollen nach 3 und 6 Monaten.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt mit allen spezifischen Anweisungen für Ihren Eingriff.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Frauen mit symptomatischer Adenomyose (bestätigt per MRI)
  • Frauen, die ihre Gebärmutter erhalten möchten
  • Frauen mit oder ohne begleitende Myome
  • Frauen mit Kinderwunsch (individuell besprechen)
Nicht geeignet
  • Malignitätsverdacht der Gebärmutter
  • Aktive Beckeninfektion
  • Schwere Gerinnungsstörungen

FAQ – Adenomyose

Ja. Die Hysterektomie galt lange als einzige dauerhafte Lösung. Heute bieten die Uterusarterienembolisation (UAE) und der hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU) gebärmuttererhaltende Alternativen. Beide Verfahren reduzieren das adenomyotische Gewebe und bessern Schmerzen und Blutungen – ohne die Gebärmutter zu entfernen.

Hormonelle Therapien (Pille, Mirena-Spirale, GnRH-Analoga) können Beschwerden lindern, behandeln aber nicht die Ursache. Sie müssen zudem dauerhaft angewendet werden und haben Nebenwirkungen. Die UAE zielt direkt auf das adenomyotische Gewebe und bietet eine nachhaltigere Beschwerdelinderung – ohne hormonelle Nebenwirkungen. Häufig werden Hormontherapien als Erstlinie und die UAE als Zweitlinie bei unzureichendem Ansprechen eingesetzt.

Eine vollständige Heilung ohne Hysterektomie ist nicht immer möglich – Adenomyose betrifft das gesamte Muskelgewebe der Gebärmutter. Das realistische und häufig erreichte Ziel ist jedoch eine deutliche, nachhaltige Reduktion der Beschwerden – bessere Blutungen, weniger Schmerzen, mehr Lebensqualität. Viele Patientinnen berichten über eine erhebliche Verbesserung, die über mehrere Jahre anhält.

Das hängt von der Art und dem Ausmass der Adenomyose ab sowie davon, ob gleichzeitig Myome vorliegen. Bei Patientinnen mit starken Blutungen und Myomen bevorzugen wir häufig die UAE. Bei fokaler Adenomyose ohne Myome kann HIFU eine sehr gute Option sein. Die Entscheidung treffen wir gemeinsam nach Auswertung des MRI und im Beratungsgespräch.

Beide Settings sind möglich. Die UAE kann ambulant durchgeführt werden – viele Patientinnen schätzen jedoch die stationäre Übernachtung, um in der ersten Nacht Fachpersonal für allfällige Schmerzen verfügbar zu haben. Wir passen das Setting Ihren Bedürfnissen an.

Die Partikel bleiben dauerhaft an Ort und Stelle in den Gebärmutterarterien. Sie werden teils abgebaut, wandern jedoch nicht. Sie sind vollständig biokompatibel und verursachen keine Beschwerden.

Gebärmuttererhaltende Eingriffe wie UAE und HIFU sind grundsätzlich mit einem späteren Kinderwunsch vereinbar. Ob und welches Verfahren für Ihre Situation geeignet ist, besprechen wir ausführlich – gemeinsam mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen.

Bei der Adenomyose wächst die Schleimhaut in die Gebärmutterwand hinein. Bei der Endometriose wächst ähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter – auf Eierstöcken, Bauchfell oder Darm. Beide Erkrankungen können gleichzeitig bestehen und sind häufig mit chronischen Beckenschmerzen verbunden.

Wir führen eine klinische Kontrolle und MRI-Untersuchungen nach 3 bzw. 6 Monaten durch. Das MRI zeigt, wie stark das adenomyotische Gewebe auf die Behandlung angesprochen hat, und ermöglicht eine frühzeitige Anpassung der Therapie.

Die Nachsorge nach UAE bei Adenomyose entspricht jener der Myomembolisation: Krämpfe und leichtes Fieber in den ersten Tagen sind normal und erwartet.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Fieber über 38,5 °C, das länger als 48 Stunden anhält

⚠ Nicht beherrschbaren Schmerzen trotz Schmerzmedikamenten

⚠ Übelriechendem oder ungewöhnlichem vaginalem Ausfluss

⚠ Starken Blutungen

⚠ Lokalen Zeichen einer Infektion an der Einstichstelle (Rötung, Schwellung, Eiter)

Wissenschaftliche Referenzen
  • Barat M et al. Treatment of adenomyosis with interventional radiology: a review. Diagn Interv Imaging. 2024;105:87–96.
  • Mailli L et al. UAE: fertility, adenomyosis and size – what is the evidence? CVIR Endovasc. 2023;6:8.
  • Tanaka ME et al. IR in obstetrics and gynecology: updates in women’s health. Radiographics. 2023;43:e220039.
  • Capmas P et al. UAE for treatment of adenomyosis: systematic review. J Gynecol Obstet Hum Reprod. 2017.

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