Perkutane Nephrostomie in Zürich –sofortige Entlastung der gestauten Niere

Die Niere produziert rund um die Uhr Urin. Wenn der Abfluss blockiert ist – durch einen Nierenstein, eine Engstelle im Harnleiter oder einen Tumor, der von aussen drückt – staut sich der Urin in der Niere. Der Druck steigt, die Niere schwillt an, und wenn der Stau anhält, droht langfristiger Nierenschaden. In akuten Fällen entwickelt sich innerhalb von Stunden eine lebensbedrohliche Urosepsis (Blutvergiftung durch Harnwegsinfektion).

Die perkutane Nephrostomie – ein bildgesteuerter Drain durch die Haut direkt in die gestaute Niere – schafft innerhalb von Minuten Entlastung.

Was ist eine perkutane Nephrostomie?

Die perkutane Nephrostomie (PCN) ist ein minimal-invasiver Eingriff, bei dem unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle (Fluoroskopie) eine dünne Drainage direkt durch die Haut und den Rückenmuskel in das Nierenbecken eingeführt wird. Der angestaute Urin kann sofort abfliessen, die Niere wird entlastet, und – falls eine Infektion vorliegt – der Teufelskreis einer Urosepsis wird durchbrochen.

Eine Nephrostomie kann als vorübergehende Massnahme eingesetzt werden (z.B. bis ein Nierenstein chirurgisch entfernt oder zertrümmert werden kann) oder als dauerhafter Abflussweg, wenn der Harnleiter dauerhaft blockiert ist (z.B. durch einen Tumor).

Häufige Ursachen für einen Harnstau, der eine Nephrostomie erfordert:

  • Nierenstein, der den Harnleiter verlegt (Urolithiasis)
  • Tumoren des Beckens, der Blase, des Gebärmutterhalses oder der Prostata, die den Harnleiter von aussen komprimieren
  • Narbige Engstellen des Harnleiters nach Operationen oder Bestrahlung
  • Blutkoagel im Harnleiter
  • Angeborene Abflussbehinderung (ureteropelviner Übergang)
  • Retroperitoneale Fibrose

Der Eingriff – Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

Ultraschall und/oder CT zur Beurteilung der Niere und Planung des Zugangswegs. Laborwerte (Blutbild, Gerinnung, Nierenwerte). Nüchternheit (mind. 4–6 Stunden). Antibiotikaprophylaxe wird verabreicht.

Lagerung

Sie liegen in Bauchlage oder leichter Seitenlage auf dem Eingriffstisch. Die Rücken- bzw. Flankenregion wird desinfiziert und steril abgedeckt.

Bildgebung und Planung

Unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle wird das gestaute Nierenbecken lokalisiert. Der optimale Punktionsweg – der den Zugang direkt zum Nierenbecken ermöglicht und dabei wichtige Strukturen wie Gefässe und Darm umgeht – wird millimeterfein geplant.

Lokalanästhesie

Die Haut, die Muskeln und die Nierenkapsel werden mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Auf Wunsch kann zusätzlich eine leichte Sedierung (Dämmerschlaf) verabreicht werden

Punktion

Unter kombinierter Ultraschall- und Fluoroskopie-Kontrolle wird eine dünne Nadel präzise in das Nierenbecken eingeführt. Sobald Urin zurückfliesst, ist die korrekte Lage bestätigt.

Seldinger-Technik

Über die Nadel wird ein dünner Führungsdraht in das Nierenbecken vorgeschoben. Die Nadel wird entfernt, der Zugang schrittweise aufgedehnt, und schliesslich wird der eigentliche Nephrostomiekatheter (in der Regel 8–12 French, ca. 3–4 mm Durchmesser) platziert. Am Ende des Katheters öffnet sich eine kleine Sicherheitsschleife (Pigtail), die verhindert, dass er aus der Niere herausrutscht.

Fixierung und Verband

Der Katheter wird an der Haut fixiert und mit einem Verband versehen. Urin fliiesst sofort in einen Auffangbeutel ab.

Dauer

30–60 Minuten inklusive Vor- und Nachbereitung.

Stationär oder ambulant

Hospitalisation üblich und sinnvoll. Elektive Eingriffe können theoretisch ambulant durchgeführt werden.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt mit allen spezifischen Anweisungen.

Was kann über die Nephrostomie zusätzlich behandelt werden?

Der Nephrostomiekatheter ist nicht nur ein Drain – er ist gleichzeitig ein Arbeitskanal für weiterführende interventionelle Eingriffe:

  • Antegrade Ureterostentimplantation: Über den Nephrostomiezugang wird ein Doppel-J-Stent (JJ-Stent) in den Harnleiter eingelegt, der den Urinabfluss wieder über den natürlichen Weg ermöglicht. Der Nephrostomiekatheter kann anschliessend entfernt werden.
  • Harnleiterdilatation: Narbige Engstellen des Harnleiters können über den Zugang mit einem Ballon aufgedehnt werden.
  • Perkutane Nephrolithotomie (PCNL): Bei grossen Nierensteinen, die mit Stosswellen nicht behandelbar sind, ermöglicht der Nephrostomiezugang die endoskopische Steinentfernung – häufig in Kooperation mit der Urologie.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Akuter Harnstau mit Schmerzen oder Fieber (Urosepsis – Notfallindikation)
  • Chronischer Harnstau durch Tumor, Narbe oder andere Obstruktion
  • Vorbereitung auf weitere Eingriffe (JJ-Stent, Steinbehandlung, Bestrahlung)
  • Akutes Nierenversagen durch beidseitigen Harnstau
Nicht geeignet
  • Schwere, nicht korrigierbare Gerinnungsstörungen
  • Kein sicherer Zugangsweg

FAQ – Perkutane Nephrostomie

Der Eingriff wird unter lokaler Betäubung durchgeführt. Die Injektion des Lokalanästhetikums verursacht kurz ein Brennen; danach ist der Eingriff weitgehend schmerzfrei. Ein Druckgefühl beim Vorschieben des Katheters ist möglich. Auf Wunsch kann zusätzlich eine leichte Sedierung (Dämmerschlaf) verabreicht werden.

Das hängt von der Ursache des Harnstaus ab. Bei einem Nierenstein: so lange, bis der Stein behandelt ist (oft 3-4 Wochen). Bei tumor-bedingtem Stau: der Katheter kann dauerhaft verbleiben oder durch einen inneren Stent ersetzt werden. Wir planen den weiteren Verlauf gemeinsam mit dem behandelnden Urologen oder Onkologen.

Ja. Viele Patienten leben Wochen bis Monate mit einer Nephrostomie zu Hause. Der Urinbeutel wird regelmässig geleert, der Katheter wöchentlich bis monatlich gespült und bei Bedarf gewechselt. Wir schulen Sie und Ihre Angehörigen ausführlich in der Handhabung.

Wenn sich Bakterien im gestauten Urin vermehren und in die Blutbahn übertreten, entsteht eine Urosepsis – eine lebensbedrohliche Blutvergiftung. Fieber, starke Flankenschmerzen und Harnstau sind das klassische Warnsignal. Die perkutane Nephrostomie kann in diesem Fall innerhalb von Stunden lebensrettend sein, indem sie den infizierten Stau sofort drainiert.

Häufig ja. Über den Nephrostomiezugang kann ein innerer Doppel-J-Stent (JJ-Stent) platziert werden, der den Harnleiter innen offen hält und den Urin wieder über den natürlichen Weg ableitet. Der Nephrostomiekatheter kann danach entfernt werden – was im Alltag deutlich komfortabler ist. Ob ein JJ-Stent möglich ist, hängt von der Ursache und dem Ausmass der Obstruktion ab.

Leichte Blutbeimengung im Urin für 1–2 Tage nach dem Eingriff ist normal.

Bitte kontaktieren Sie uns oder die Notaufnahme umgehend bei:

⚠ Fieber über 38,0 °C oder Schüttelfrost

⚠ Starker Blutung im Urin (dunkelrot, Blutkoagel)

⚠ Keinem Urinabfluss im Beutel

⚠ Rötung oder Eiter an der Kathetereinstichstelle

⚠  starken Schmerzen in der Flanke, die zunehmen

Wissenschaftliche Referenzen
  • Dyer RB et al. Percutaneous nephrostomy with extensions of the technique: step by step. Radiographics. 2002;22(3):503–525.
  • Ramchandani P et al. Quality improvement guidelines for percutaneous nephrostomy. J Vasc Interv Radiol. 2016;27(3):410–414.
  • Lee WJ et al. Emergency percutaneous nephrostomy: results and complications. J Vasc Interv Radiol. 1994.
  • Hausegger KA, Portugaller HR. Percutaneous nephrostomy and antegrade ureteral stenting. Eur Radiol. 2006.

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