Das Pankreaskarzinom ist einer der schwierigsten Tumoren in der Onkologie – nicht nur wegen seiner Biologie, sondern auch wegen seiner Lage: eingeklemmt zwischen grossen Gefässen (Pfortader, A. mesenterica superior), Gallengängen und Darm. Diese Nähe macht eine vollständige chirurgische Entfernung in vielen Fällen unmöglich. Die Irreversible Elektroporation (IRE) ist eine der wenigen lokalen Therapiemethoden, die auch in dieser schwierigen Situation einsetzbar ist.
Pankreaskarzinom behandeln – Irreversible Elektroporation (IRE/NanoKnife) in Zürich
Was ist die Irreversible Elektroporation (IRE)?
IRE – auch NanoKnife genannt – zerstört Tumorgewebe durch kurze, hochenergetische elektrische Impulse. Diese Impulse erzeugen permanente Poren in den Zellmembranen der Tumorzellen, was zum Zelltod führt. Der entscheidende Vorteil: IRE wirkt nicht durch Hitze oder Kälte, sondern durch elektrische Felder – Gefässe, Gallengänge und Nerven in der Nachbarschaft bleiben in ihrer Struktur intakt. Das macht IRE einzigartig für Tumore in der «gefährlichen Zone» um Gefässe.
Für wen ist IRE geeignet?
- Lokal fortgeschrittenes Pankreaskarzinom (LAPC), das chirurgisch nicht resezierbar ist, aber noch keine Fernmetastasen hat
- Tumore, die unmittelbar an wichtige Gefässe angrenzen
- In Kombination mit Chemotherapie (häufig vorgeschaltete Chemotherapie vor IRE)
IRE wird in Allgemeinnarkose durchgeführt. Je nach Fall kann es perkutan (durch die Haut, CT-gesteuert) oder intraoperativ erfolgen.
FAQ – Pankreaskarzinom / IRE
Ja. Die Irreversible Elektroporation (IRE/NanoKnife) ist ein nicht-thermisches Ablationsverfahren, das speziell für Tumoren in der Nähe von Gefässen und Gallengängen entwickelt wurde – genau die Situation beim lokal fortgeschrittenen Pankreaskarzinom. IRE kann das Tumorgewebe zerstören, ohne die umgebenden Strukturen thermisch zu schädigen. Sie wird als Ergänzung zur Chemotherapie eingesetzt und kann bei lokal fortgeschrittenen, nicht resektablen Tumoren bis 3 cm Grösse die lokale Kontrolle verbessern.
IRE ist bei den meisten Patienten keine kurative Therapie – das Ziel ist lokale Tumorkontrolle, Verlängerung der Progressionszeit und Erhalt der Lebensqualität. In einzelnen Fällen, vor allem bei kleineren Tumor, ist eine Kuration jedoch möglich. Bei einem kleinen Teil der Patienten mit lokal begrenzt fortgeschrittenem Tumor können nach IRE sekundäre chirurgische Resektionen möglich werden.
RFA und MWA zerstören Gewebe durch Wärme – dabei können auch umliegende Gefässe und Gallengänge geschädigt werden. IRE wirkt durch elektrische Felder ohne thermischen Effekt und schützt daher umliegende Strukturen. Deshalb ist IRE die bevorzugte Methode für Tumoren nahe grossen Gefässen.
Ja – häufig wird eine Chemotherapiephase (meist FOLFIRINOX oder Gemcitabin/nab-Paclitaxel) vorgeschaltet, um den Tumor zunächst zu stabilisieren und eventuelle Mikrometastasen zu behandeln. Die IRE erfolgt dann als lokaler Boost. Die genaue Kombination wird im Tumorboard festgelegt.
IRE des Pankreas ist ein komplexerer Eingriff, nach dem eine kurze Hospitalisation üblich ist. Leichte Bauchschmerzen, Übelkeit und Erschöpfung für einige Tage sind normal.
Bitte kontaktieren Sie uns oder Ihr Betreuungsteam umgehend bei:
⚠ Starken Oberbauchschmerzen, die zunehmen statt abnehmen
⚠ Fieber über 38,5 °C mit Schüttelfrost
⚠ Gelbfärbung der Augen/Haut (Ikterus)
⚠ Erbrechen, das nicht nachlässt
⚠ Starker Schwäche oder Verwirrtheit
Wissenschaftliche Referenzen
- Deipolyi AR et al. Irreversible electroporation: a review of clinical applications. Diagn Interv Radiol. 2014;20(2):147–154.
- Martin RC 2nd et al. IRE for locally advanced pancreatic adenocarcinoma. Ann Surg. 2012.
- Scheffer HJ et al. IRE of locally advanced pancreatic carcinoma: a prospective study. Radiology. 2017.
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