HCC Leberkrebs – Ablation, TARE und IRE in Zürich

Leberkrebs – das klingt nach einem Urteil. Und doch: Die interventionelle Onkologie hat die Behandlung des hepatozellulären Karzinoms (HCC) in den letzten Jahren grundlegend verändert. Mit bildgeführten Ablationsverfahren und der transarteriellen Radioembolisation stehen heute Werkzeuge zur Verfügung, die Tumore präzise am Ort des Geschehens behandeln – ohne grosse Operation, mit minimalem Einfluss auf die restliche Leber.

Wir behandeln nicht alleine. Jede Therapieentscheidung bei HCC wird im interdisziplinären Tumorboard gemeinsam mit Hepatologen, Onkologen und Chirurgen getroffen.

Was ist das HCC?

Das hepatozelluläre Karzinom entsteht zu 80–90 % auf dem Boden einer vorbestehenden Lebererkrankung – Leberzirrhose (durch Hepatitis B, Hepatitis C, Alkohol oder NASH) oder chronischer Hepatitis. Die gesamte Leber ist damit ein «Risikorgan», das regelmässig überwacht werden muss. Die BCLC-Leitlinien (Barcelona Clinic Liver Cancer) sind der internationale Standard für Diagnose, Staging und Therapieplanung.

Welche interventionell-onkologischen Verfahren stehen zur Verfügung?

Perkutane Tumorablation (RFA, MWA, Cryoablation, IRE): Für kleine bis mittelgrosse Tumore (< 2-3 cm) ist die perkutane Ablation der chirurgischen Resektion in Studien gleichwertig. Eine dünne Sonde wird unter CT- oder Ultraschallkontrolle durch die Haut in den Tumor eingeführt. Radiofrequenz- oder Mikrowellenenergie (Hitze) oder Cryoablation (Kälte) oder Elektroporation (Strom) zerstört das Tumorgewebe präzise.

Transarterielle Radioembolisation (TARE / SIRT mit Y-90): Radioaktive Mikrosphären (Yttrium-90) werden über einen Katheter direkt in die tumorversorgenden Arterien injiziert. Sie bestrahlen den Tumor von innen – mit minimaler Belastung der gesunden Leber. TARE ist besonders wertvoll bei grossen, multifokalen oder gefässnahen Tumoren und als Bridging- oder Downstaging-Strategie vor Transplantation.

Ablauf

Vor dem Eingriff

Tumorboard-Entscheid. MRI oder CT der Leber. Beurteilung der Leberfunktion (Child-Pugh, MELD). Nüchternheit (6 Stunden). Blutverdünner anpassen.

Der Eingriff

Abhängig von der Modalität und Lokalisation des Tumors. Dies besprechen wir individuell in der Sprechstunde.

Nachsorge

MRI-Kontrollen sind zwingend: typischerweise zuerst nach 4–6 Wochen um allfällige Komplikationen auszuschliessen. Danach 3 Monate für das erste onkologische Ergebnis, später 6/9/12/18/24 Monate post-Eingriff, dann jährlich – in Absprache mit dem behandelnden Leberspezialisten.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

FAQ – HCC

Für Tumoren bis 3 cm zeigen Metaanalysen vergleichbare 5-Jahres-Überlebensraten. Die Ablation hat weniger Komplikationen, kürzeren Spitalaufenthalt und erhält mehr Lebergewebe – ein entscheidender Vorteil bei Zirrhose. Ab 3–5 cm wird die Resektion in der Regel bevorzugt, sofern die Leberfunktion es erlaubt. Die Alternative wäre eine Transarterielle Radioembolisation (TARE).

Ja, unbedingt. Das HCC entsteht fast immer auf dem Boden einer Leberzirrhose – das bedeutet, die gesamte Leber ist erkrankt und kann jederzeit neue Tumorherde entwickeln. Regelmässige Bildgebung ist daher nicht optional, sondern entscheidend, um neue Herde frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

In der Regel: MRI 4–6 Wochen nach dem Eingriff (Ausschluss Komplikationen), dann nach 3 Monaten (erstes Ansprechen), und anschliessend alle 3–6 Monate im ersten und zweiten Jahr. Ab dem dritten Jahr meist halbjährlich bis jährlich – immer in Absprache mit dem betreuenden Hepatologen oder Onkologen.

Kleine Tumore (<2-3 cm, ≤3 Herde, gute Leberfunktion): Ablation gleichwertig zur Operation. Tumore nahe Gefässen/Gallengängen: IRE. Grosse oder multifokale Befunde: TARE. Kombination mehrerer Verfahren möglich. Die Entscheidung erfolgt immer im Tumorboard.

Ja – die Wiederholbarkeit ist ein grosser Vorteil der interventionellen Onkologie gegenüber anderen Methoden. Neue Herde oder unvollständig abladierte Tumore können gezielt erneut behandelt werden.

Ja – TARE wird erfolgreich als Bridging-Therapie eingesetzt (um den Tumor stabil zu halten, bis eine Spenderleber verfügbar ist) und als Downstaging-Therapie (um einen Tumor so zu verkleinern, dass er wieder innerhalb der Transplantations- oder Resektabilitätskriterien liegt).

Nach einer Tumorablation (RFA, MWA, Cryoablation, IRE) sind leichte Schmerzen an der Einstichstelle, ein allgemeines Krankheitsgefühl und leichtes Fieber für 2–7 Tage normal (Post-Ablations-Syndrom). Je nach Organ können organspezifische Beschwerden auftreten (siehe unten). Bei TARE (Y-90) kann das Post-Embolisations-Syndrom (Erschöpfung, Übelkeit, leichtes Fieber, Oberbauchschmerzen) für bis zu 2 Wochen bestehen.

Bitte kontaktieren Sie uns oder Ihr Betreuungsteam umgehend bei:

⚠ Fieber über 38,5 °C, das nach 48 Stunden nicht sinkt

⚠ Starken, zunehmenden Oberbauchschmerzen

⚠ Gelbfärbung der Augen oder Haut (Ikterus – Anzeichen einer Leberfunktionsstörung)

⚠ Starker Schwäche, Verwirrtheit oder deutlicher Verschlechterung des Allgemeinzustands

⚠ Zeichen einer Blutung: Blut im Stuhl, schwarzem Stuhl oder Erbrechen von Blut

Wissenschaftliche Referenzen
  • EASL Clinical Practice Guidelines: Management of hepatocellular carcinoma. J Hepatol. 2018;69(1):182–236.
  • Galle PR et al. BCLC strategy for prognosis prediction and treatment recommendation. J Hepatol. 2022;76(3):681–693.
  • Salem R et al. Y-90 Radioembolization for HCC: systematic review. J Nucl Med. 2018.
  • Lencioni R, Llovet JM. Modified RECIST (mRECIST) assessment for HCC. Semin Liver Dis. 2010.

Möchten Sie wissen, ob dieser Eingriff
für Sie geeignet ist?

Wir beraten Sie persönlich, diskret und unverbindlich. Vereinbaren Sie jetzt Ihr Beratungsgespräch.