Fersensporn, Achillessehne, Jumper’s Knee –Sehnenschmerzen durch Embolisation behandeln

Der erste Schritt morgens aus dem Bett – und sofort dieser stechende Schmerz in der Ferse. Oder der Schmerz direkt über der Kniescheibe, der jeden Sprung, jeden Schritt auf der Treppe begleitet. Chronische Sehnenerkrankungen sind für Sportler eine Qual, für Nichtsportler eine genauso grosse. Und sie heilen – das ist das Frustrierende – oft trotz wochenlanger Physiotherapie, Dehnübungen und Einlagen nicht.

Die Sehnenenembolisation zielt auf den biologischen Grund dieser Hartnäckigkeit.

Welche Sehnenerkrankungen können behandelt werden?

Plantarfasziitis / Fersensporn: Entzündung des Plantarfaszienbandes an der Fusssohle, das am Fersenbein ansetzt. Der «Sporn» ist dabei weniger das Problem als die chronische Entzündung am Ansatz.

Patellasehnen-Tendinopathie (Jumper’s Knee): Chronische Entzündung der Patellasehne (Kniescheibensehne), besonders bei Sprung- und Laufsportlern.

Achillessehnen-Tendinopathie: Degenerative Entzündung der Achillessehne im Verlauf oder am Ansatz am Fersenbein (insertionale Form).

Warum heilen Sehnenprobleme so schlecht?

Gesundes Sehnengewebe ist wenig durchblutet – was die Heilung verlangsamt. Bei chronischen Sehnenreizungen wächst jedoch pathologisch viel neues, minderwertiges Gefässgewebe ein (Neovaskularisierung), zusammen mit Nervenfasern, die dauerhaft Schmerzsignale senden. Dieser Teufelskreis verhindert die echte Heilung.

Die Embolisation unterbricht diesen Teufelskreis: Die krankhaften Gefässe werden verschlossen, die Entzündungsaktivität sinkt und der Heilungsprozess kann neu beginnen.

Ablauf Schritt für Schritt

Diagnosebestätigung

Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler oder MRI der betroffenen Sehne. Die Neovaskularisierung zeigt sich als intensive Farbsignale im Sehnengewebe oder am Ansatz – Voraussetzung für die Embolisation.

Vorbereitung

Nüchternheit empfohlen. Lokalanästhesie. Ambulant.

Zugang und Navigation

Über eine kleine Punktion in der Leistenarterien wird der Katheter unter Röntgendurchleuchtung navigiert. Zielgefässe je nach Lokalisation:

  • Fersensporn / insertionale Achillessehne: Äste der A. tibialis posterior +/- fibularis
  • Nicht-insertionale Achillessehne: Äste der tibialis posterior oder A. peronaea
  • Patellasehne (Jumper’s Knee): Äste der A. tibialis anterior und Kniearterien
Diagnostische Angiographie

Kontrastmittelinjektion zeigt die pathologischen Neugefässe als Blush exakt an der symptomatischen Stelle der Sehne.

Superselektive Embolisation

Mikrokatheter navigiert die kleinen Sehnengefässäste. Mikropartikel werden selektiv injiziert. Hauptarterien des Fusses und Unterschenkels bleiben vollständig offen – nur die krankhaften Neugefässe werden verschlossen.

Abschlussangiographie

Bestätigt Verschluss der Zielgefässe, intakte Hauptgefässversorgung.

Dauer

30–50 Minuten. Ambulant.

Nach dem Eingriff

1–2 Tage Entlastung. Dann schrittweise Belastungssteigerung. Weiche, gut gedämpfte Schuhe für 2–3 Wochen. Sport nach 4–6 Wochen.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Was sagt die Wissenschaft?

  • Landers S et al. (Cardiovasc Intervent Radiol, 2021; Prospektive Studie, Achillessehne): Embolisation bei chronischer Achillessehnen-Tendinopathie – Schmerzreduktion (VAS) nach 12 Monaten: −4,8 Punkte (von 6,8 auf 2,0). 80 % der Patienten berichteten über mindestens 50 % Schmerzlinderung.
  • Okuno Y et al. (J Vasc Interv Radiol, 2016; Plantarfasziitis): Embolisation der A. calcanea inferior bei Plantarfasziitis. Technische Erfolgsrate: 100 %. Signifikante Schmerzreduktion nach 3 Monaten bei 85 % der Patienten; nach 12 Monaten weiterhin stabile Ergebnisse.
  • Little MW et al. (Cardiovasc Intervent Radiol, 2022; Systematischer Review): Embolisation bei chronischen muskuloskelettalen Sehnenerkrankungen – übergreifend zeigen alle Sehnenlokalisation (Fersensporn, Achillessehne, Patellasehne, Ellenbogen) vergleichbar gute Ergebnisse.
  • Patellasehne (Jumper’s Knee): Erste prospektive Daten (Australien/USA, 2023) zeigen Schmerzreduktionen von 60–70 % nach 12 Monaten bei Patienten mit refraktärer Patellasehnen-Tendinopathie.
  • Vergleich mit Stosswellen: In direkten Vergleichen zeigt die Embolisation eine schnellere Wirkung (2–4 Wochen vs. 8–12 Wochen) und eine höhere Ansprechrate bei Patienten, die auf Stosswellen nicht angesprochen haben.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Chronische Tendinopathie nach mind. 3–6 Monaten konservativer Behandlung ohne ausreichende Verbesserung
  • Nachgewiesene Neovaskularisierung im Ultraschall oder MRI
  • Plantarfasziitis, Achillessehnen-Tendinopathie (insertional und non-insertional), Patellasehnen-Tendinopathie
Nicht geeignet
  • Vollständige Sehnenruptur (Operation notwendig)
  • Frische Sehnenverletzung (<6 Wochen)

FAQ – Sehnenerkrankungen

Chronische Achillessehnen-Tendinopathie wird zunächst konservativ behandelt (exzentrisches Training, Stosswellen). Wenn dies über 3–6 Monate versagt, stehen chirurgische Optionen (Débridement, Sehnentransfer) oder die Embolisation zur Verfügung. Die Embolisation ist deutlich weniger invasiv, erfordert keine Immobilisation und zeigt in prospektiven Studien eine Schmerzreduktion von über 70 % nach 12 Monaten.

Bei sorgfältig ausgewählten Patienten halten die Ergebnisse in der Regel Monate bis Jahre. Bei besonders starker oder aktiver Entzündung kann eine zweite Embolisation – einige Wochen nach der ersten – die Wirkung vertiefen und verlängern. Die Embolisation kann bei Bedarf grundsätzlich wiederholt werden.

Die sogenannte pathologische Neuvaskularisierung – das unkontrollierte Einwachsen neuer Blutgefässe in entzündetes Gewebe – verläuft nicht allein. Diese Gefässe wachsen stets zusammen mit feinen Nervenfasern ein (neurovascular ingrowth). Diese Nervenfasern leiten dauerhaft Schmerzsignale zum Gehirn weiter, auch ohne dass gerade eine akute Verletzung vorliegt. Die Gelenksembolisation verschliesst gezielt diese krankhaften Gefässe – und damit auch die begleitenden Schmerznerven.

Das zeigt die Bildgebung: Ein Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler oder ein MRI mit Kontrastmittel kann die Neuvaskularisierung im betroffenen Gewebe sichtbar machen. Im Beratungsgespräch bei der IRZ beurteilen wir gemeinsam mit Ihnen die Bildgebung und prüfen, ob eine Gelenksembolisation in Ihrer Situation sinnvoll ist.

Die Gelenksembolisation eignet sich für Patienten mit chronischen Gelenkschmerzen durch Arthrose oder Tendinopathie, die auf konservative Therapien (Physiotherapie, Medikamente, Infiltrationen) nicht ausreichend angesprochen haben und eine Operation vermeiden oder hinauszögern möchten. Nicht geeignet ist sie bei aktiver systemischer Entzündungserkrankung (z.B. rheumatoide Arthritis in Schub), bei sehr fortgeschrittener Arthrose ohne Restknorpel, oder bei Gelenkinfektionen.

Nein – die Gelenksembolisation verändert das Gelenk strukturell nicht. Sie nimmt eine eventuelle spätere Prothese oder Operation weder vorweg noch verhindert sie diese. Sie kann jedoch wertvolle Zeit gewinnen und die Lebensqualität in der Zwischenzeit deutlich verbessern.

Wir empfehlen nach der Gelenksembolisation eine kurze Erholungsphase von 1–3 Tagen, in der Sie das behandelte Gelenk nicht überbelasten sollten. Leichte Aktivitäten und Alltagsbewegungen sind danach erlaubt – und sogar erwünscht, da Bewegung die Regeneration fördert. Intensive sportliche Belastung sollte für 2–3 Wochen pausiert werden.

Nein. Es gibt keine Ruhigstellung nach der Sehnenenembolisation. Weiche, dämpfende Schuhe für 2–3 Wochen sind empfohlen, um die Sehne nicht unnötig zu belasten. Leichte Bewegung ist ab Tag 3–4 ausdrücklich erlaubt und förderlich.

Leichte Alltagsbelastung ist ab dem 3.–4. Tag möglich. Leichtes Ausdauertraining (Schwimmen, Radfahren) nach 2–3 Wochen. Sport mit Sprung- oder Laufbelastung frühestens nach 4–6 Wochen – je nach Ansprechen und in Absprache mit Ihrem Physiotherapeuten.

Ja, besonders wenn diese Methoden bereits versucht wurden und keinen dauerhaften Erfolg gebracht haben. Die Embolisation wirkt auf einem anderen Mechanismus: Sie behandelt die pathologische Neovaskularisierung – nicht nur die Symptome. Studien zeigen bei hartnäckigen Fällen gute bis sehr gute Ergebnisse.

Nach der Sehnenenembolisation kann die betroffene Region für 1–2 Tage etwas empfindlicher sein. Eine vorübergehende Hautverfärbung über der Sehne ist möglich und harmlos.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Starken Schmerzen, die zunehmen statt abnehmen

⚠ Fieber über 38,0 °C

⚠Offenen Hautstellen oder Bläschen über der behandelten Sehne

⚠ Rötung oder Eiter an der Einstichstelle

Wissenschaftliche Referenzen
  • Landers S et al. Neovascular embolisation for Achilles tendinopathy: a prospective study. Cardiovasc Intervent Radiol. 2021;44(12):1915–1922.
  • Okuno Y et al. Transcatheter arterial embolization for plantar fasciitis. J Vasc Interv Radiol. 2016;27(10):1535–1540.
  • Little MW et al. Embolization for chronic musculoskeletal pain: systematic review and meta-analysis. Cardiovasc Intervent Radiol. 2022;45(4):439–450.
  • Skalski MR et al. The loaded and the overloaded: clinical and imaging review of plantar fasciitis. Radiographics. 2016.

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