Frozen Shoulder behandeln – Embolisation und Kapseldistension in Zürich

Erst Schmerzen, dann Steifigkeit, dann fast völlige Bewegungslosigkeit der Schulter. Die Frozen Shoulder – medizinisch adhäsive Kapsulitis – ist eine der qualvollsten und gleichzeitig frustrierendsten Schultererkrankungen: Sie kann sich über Monate bis Jahre hinziehen, ist schwer vorherzusagen und reagiert auf klassische Therapien oft enttäuschend langsam.

Die interventionelle Radiologie bietet mit der Kombination aus gezielter Embolisation und Kapseldistension eine Möglichkeit, den Krankheitsverlauf aktiv zu verkürzen.

Was ist die Frozen Shoulder?

Die adhäsive Kapsulitis entsteht durch eine chronische Entzündung der Gelenkkapsel der Schulter. Die Kapsel verdickt sich, schrumpft und verwächst – die Schulter verliert zunehmend ihre Beweglichkeit. Typischer Verlauf in drei Phasen:

Phase 1 (Einfrierphase): Zunehmende Schmerzen, besonders nachts. 3–9 Monate.

Phase 2 (Gefrorene Phase): Schmerzen nehmen ab, aber Bewegungseinschränkung auf Maximum. 4–12 Monate.

Phase 3 (Auftauphase): Langsame spontane Erholung. 12–24 Monate.

Ursachen sind nicht immer klar. Risikofaktoren: Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, Immobilisierung nach Verletzung oder Operation.

Embolisation und Kapseldistension – das Behandlungskonzept

Embolisation: In der entzündeten Gelenkkapsel bilden sich wie bei anderen Gelenkerkrankungen pathologische Gefässe. Die Embolisation verschliesst diese gezielt und reduziert die Entzündungsaktivität – was sowohl Schmerzen lindert als auch den Verhärtungsprozess bremsen kann.

Kapseldistension (hydrostatische Kapseldilatation): Unter Bildkontrolle wird die verdickte, geschrumpfte Gelenkkapsel durch Einspritzen einer Flüssigkeit (Kochsalzlösung mit Kortison und Lokalanästhetikum) gezielt aufgedehnt. Das löst Verwachsungen, verbessert die Beweglichkeit und lindert Schmerzen. Beide Verfahren können in derselben Sitzung kombiniert werden.

Ablauf Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

MRI der Schulter zur Beurteilung der Kapseldicke und Entzündungszeichen. Nüchternheit empfohlen. Blutverdünner in Absprache anpassen.

Der Eingriff

Unter örtlicher Betäubung und Bildkontrolle (Ultraschall und/oder Fluoroskopie). Zuerst Embolisation der erkrankten Gefässe, dann möglicherweise gezielte Kapseldilatation. Dauer: 45–75 Minuten.

Nach dem Eingriff

Physiotherapie ist nach der Kapseldistension besonders wichtig – das aufgedehnte Gewebe sollte durch regelmässige Bewegungsübungen mobilisiert werden. Die Kombination aus interventionellem Eingriff und Physiotherapie erzielt die besten Ergebnisse.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Frozen Shoulder in Phase 1 oder 2 mit nachgewiesener Entzündungskomponente
  • Unzureichendes Ansprechen auf Physiotherapie und Kortison-Infiltrationen
Nicht geeignet
  • Frozen Shoulder in Phase 3 (Auftauphase) – hier hilft oft Abwarten und Physiotherapie
  • Rotatorenmanschetten-Ruptur als Ursache der Einschränkung (andere Therapie nötig)

FAQ – Frozen Shoulder

Die Narkosemobilisation (Manipulation unter Anästhesie) kann die Kapsel lösen, birgt aber Risiken wie Humerusfraktur oder Rotatorenmanschettenriss. Die Kombination aus Embolisation pathologischer Neugefässe und hydraulischer Kapseldistension ist ein neuerer, schonenderer Ansatz: Die Embolisation reduziert die Entzündung, die Distension erweitert die verklebte Kapsel – beides ohne Narkose.

Bei sorgfältig ausgewählten Patienten halten die Ergebnisse in der Regel Monate bis Jahre. Bei besonders starker oder aktiver Entzündung kann eine zweite Embolisation – einige Wochen nach der ersten – die Wirkung vertiefen und verlängern. Die Embolisation kann bei Bedarf grundsätzlich wiederholt werden.

Die sogenannte pathologische Neuvaskularisierung – das unkontrollierte Einwachsen neuer Blutgefässe in entzündetes Gewebe – verläuft nicht allein. Diese Gefässe wachsen stets zusammen mit feinen Nervenfasern ein (neurovascular ingrowth). Diese Nervenfasern leiten dauerhaft Schmerzsignale zum Gehirn weiter, auch ohne dass gerade eine akute Verletzung vorliegt. Die Gelenksembolisation verschliesst gezielt diese krankhaften Gefässe – und damit auch die begleitenden Schmerznerven.

Das zeigt die Bildgebung: Ein Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler oder ein MRI mit Kontrastmittel kann die Neuvaskularisierung im betroffenen Gewebe sichtbar machen. Im Beratungsgespräch bei der IRZ beurteilen wir gemeinsam mit Ihnen die Bildgebung und prüfen, ob eine Gelenksembolisation in Ihrer Situation sinnvoll ist.

Die Gelenksembolisation eignet sich für Patienten mit chronischen Gelenkschmerzen durch Arthrose oder Tendinopathie, die auf konservative Therapien (Physiotherapie, Medikamente, Infiltrationen) nicht ausreichend angesprochen haben und eine Operation vermeiden oder hinauszögern möchten. Nicht geeignet ist sie bei aktiver systemischer Entzündungserkrankung (z.B. rheumatoide Arthritis in Schub), bei sehr fortgeschrittener Arthrose ohne Restknorpel, oder bei Gelenkinfektionen.

Nein – die Gelenksembolisation verändert das Gelenk strukturell nicht. Sie nimmt eine eventuelle spätere Prothese oder Operation weder vorweg noch verhindert sie diese. Sie kann jedoch wertvolle Zeit gewinnen und die Lebensqualität in der Zwischenzeit deutlich verbessern.

Wir empfehlen nach der Gelenksembolisation eine kurze Erholungsphase von 1–3 Tagen, in der Sie das behandelte Gelenk nicht überbelasten sollten. Leichte Aktivitäten und Alltagsbewegungen sind danach erlaubt – und sogar erwünscht, da Bewegung die Regeneration fördert. Intensive sportliche Belastung sollte für 2–3 Wochen pausiert werden.

Die Kombination aus Embolisation und Kapseldistension kann den natürlichen Verlauf der Frozen Shoulder deutlich beschleunigen. Viele Patienten bemerken innerhalb von 2–4 Wochen eine spürbare Verbesserung der Beweglichkeit – insbesondere wenn regelmässige Physiotherapie ergänzend durchgeführt wird.

Ja – Physiotherapie ist nach der Kapseldistension essentiell. Das aufgedehnte Gewebe muss durch konsequente Bewegungsübungen mobilisiert werden, damit die erzielten Verbesserungen erhalten bleiben und die Schulter nicht erneut einsteift.

Nach der Kapseldistension kann die Schulter für 24–72 Stunden vorübergehend schmerzhafter sein als zuvor – das ist die erwartete Reaktion auf die Dehnung der Kapsel. Danach sollte eine schrittweise Verbesserung einsetzen.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Starker, rasch zunehmender Schulterschwellung

⚠ Fieber über 38,0 °C

⚠ Taubheitsgefühl oder Lähmung im Arm (sehr selten)

⚠ Eiter oder Rötung an der Einstichstelle

Wissenschaftliche Referenzen
  • Cho CH et al. Hydrodistension and corticosteroid injection for adhesive capsulitis. J Shoulder Elbow Surg. 2018.
  • Page MJ et al. Distension for adhesive capsulitis (frozen shoulder). Cochrane Database Syst Rev. 2014.
  • Okuno Y et al. Transcatheter arterial embolization for adhesive capsulitis. J Vasc Interv Radiol. 2018.

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