Ovarialzysten behandeln – Aspiration und Sklerosierung als schonende Alternative

Ovarialzysten – Flüssigkeitsansammlungen auf oder in den Eierstöcken – sind häufig. Die meisten sind funktioneller Natur und bilden sich von selbst zurück. Aber manche Zysten wachsen, verursachen Druckgefühl oder Schmerzen im Unterleib, und verschwinden trotz mehrerer Kontrolluntersuchungen nicht. In diesen Fällen ist eine gezielte Behandlung sinnvoll.

Und die muss heute nicht mehr zwingend eine Operation bedeuten.

Was sind Ovarialzysten?

Ovarialzysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, die sich auf oder in den Eierstöcken bilden. Man unterscheidet:

Funktionelle Zysten: entstehen im Rahmen des normalen Menstruationszyklus und lösen sich meist von selbst auf

Dermoidzysten, Endometriosezysten (Endometriome), Follikelzysten: erfordern manchmal eine Behandlung

Einfache, benigne Retentionszysten: häufigster Typ bei postmenopausalen Frauen

Beschwerden treten auf bei grossen Zysten (Druckgefühl auf Blase oder Darm), bei Stieldrehung (akut schmerzhaft), bei Ruptur oder bei chronisch persistierenden Zysten.

Aspiration und Sklerosierung – wie funktioniert das?

Für einfache, gutartige Zysten ist die ultraschallgesteuerte Aspiration mit anschliessender Sklerosierung eine sehr wirksame, minimal-invasive Behandlungsmethode:

Aspiration

Unter Ultraschallkontrolle wird eine haarfeine Nadel durch die Bauchdecke direkt in die Zyste eingeführt. Die Flüssigkeit wird vollständig abgesaugt.

Sklerosierung

Anschliessend wird eine geringe Menge einer sklerosierenden Substanz (z.B. Alkohol) in die leere Zystenhöhle eingespritzt. Diese verödet die Zystenwand von innen, sodass sie sich nicht erneut füllen kann.

Dauer

15–30 Minuten. Ambulant. Unter Lokalanästhesie.

Vorbereitung und Nachsorge

Vor dem Eingriff

Gynäkologische Abklärung und Ultraschall zur Charakterisierung der Zyste (Ausschluss Komplexität/Malignität). Sie sollten nüchtern erscheinen (mind. 6 Stunden kein Essen, 2 Stunden kein Wasser). Blutverdünner in Absprache pausieren.

Nach dem Eingriff

Kurze Überwachungsphase. Leichtes Druckgefühl im Unterleib für 1–2 Tage möglich. Volle Belastbarkeit meist ab dem nächsten Tag.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt mit allen spezifischen Anweisungen.

Für wen geeignet – für wen nicht?

Geeignet
  • Einfache, flüssigkeitsgefüllte Zysten ohne komplexe Binnenstruktur
  • Persistierende oder symptomatische Zysten nach mehrmaliger Verlaufskontrolle
  • Postmenopausale Patientinnen mit benignen Retentionszysten
Nicht geeignet
  • Komplexe Zysten mit Septen, Knoten oder Binnenechos (zunächst gynäkologische Abklärung)
  • Malignitätsverdacht
  • Endometriome (komplexere Therapieplanung erforderlich)

FAQ – Ovarialzysten

Nein. Einfache, symptomatische Ovarialzysten können unter Ultraschallkontrolle punktiert und durch Sklerosierung (z.B. mit Ethanol) behandelt werden – ein oftmals ambulanter Eingriff ohne Vollnarkose. Die Laparoskopie bleibt bei komplexen Zysten oder Malignitätsverdacht der Standard.

Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist in der Regel gut tolerierbar. Beim Einstechen der Nadel spüren Sie möglicherweise kurz ein Ziehen oder Druckgefühl. Danach ist der Eingriff selbst kaum spürbar.

Das Rezidivrisiko nach Aspiration und Sklerosierung ist deutlich geringer als nach Aspiration allein. Die Verödung der Zystenwand sorgt dafür, dass sich die Zyste in den meisten Fällen nicht mehr in der vorherigen Grösse neu bildet.

Einfache, unkomplizierte Zysten, die vollständig flüssigkeitsgefüllt sind und keine komplexe Binnenstruktur zeigen. Vor dem Eingriff führen wir eine sorgfältige Ultraschalluntersuchung durch, um sicherzustellen, dass die Zyste geeignet ist.

Eine gynäkologische Abklärung ist empfohlen, um Malignität auszuschliessen und die Art der Zyste zu charakterisieren. Gerne koordinieren wir uns direkt mit Ihrer Gynäkologin oder schicken Sie zu einer Gynäkologin aus unserem Netzwerk.

Ein leichtes Druckgefühl oder Ziehen im Unterbauch für 1–2 Tage nach der Aspiration ist normal und klingt von selbst ab.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

⚠ Starken Unterleibsschmerzen, die rasch zunehmen (Anzeichen einer möglichen Komplikation wie Zysten-Ruptur oder Blutung)

⚠ Fieber über 38,0 °C

⚠ Übelkeit und Erbrechen in Kombination mit Bauchschmerzen

Wissenschaftliche Referenzen
  • Azizova A, et al. Ethanol Sclerotherapy in the Management of Ovarian Endometrioma: Technical Considerations for Catheter- and Needle-Directed Sclerotherapy. Cardiovasc Intervent Radiol. 2024 Jul;47(7):891-900.
  • Zanetta G, Lissoni A, Torri V et al. Role of puncture and aspiration in expectant management of simple ovarian cysts: a randomised study. BMJ. 1996;313:1110–1113.

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